• 2. März 2016

Werteorientierte Führung im Nahkampf

StB Nicolai Müller und sein Buch

Werteorientierte Führung im Nahkampf

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Es geht um Eisberge, dominante Eichen und die Gestaltung von Meetings. StB Nicolai Müller und ein Freundeskreis von Autoren haben ein Buch zum Thema werteorientierte Führung von Familienunternehmen geschrieben.

Nicolai Müller hatte mir vor Monaten von diesem Buchprojekt erzählt und ich versprach, es hier auf steuerkopfe.de aufzugreifen. Jetzt liegt das Buch vor und als ich diesen Einstieg las, gingen meine Mundwinkel nach oben:

Haben Sie sich schon mal gefragt, wieso an der jährlichen Weihnachtsfeier so viele Mitarbeiter und Kollegen teilnehmen oder gegebenenfalls auch fernbleiben?

Ein konkreter Einstieg in ein vermeintliches wischi-waschi-Thema. Das Buch – ich habe nicht alle Kapitel gelesen – widmet sich konkreten Situationen aus dem Führungsalltag. Und wie der Einstieg zeigt, geht es nicht um die Theorie, sondern um den Alltag in Unternehmen.

Der Grund für mein Versprechen war aber ein anderer. Mir hat das Projekt imponiert: Herzens-Thema ausgewählt, 15 Freund zusammengetrommelt und gemeinsam etwas auf die Beine gestellt. Mag sein, dass Nicolai Müller dieses Buch nicht aus Vermarktungsgründen geschrieben hat, aber genau aus dieser Perspektive gefällt es mir.

Für mich ist das ein gutes Beispiel …

  • um Kanzlei-Kompetenz zu zeigen.
  • um über Beratungsthemen zu schreiben, ohne das Steuerliche zu bemühen.
  • für Seitenprojekte neben dem Kanzleialltag.

Vielleicht juckt es Ihnen in den Fingern, etwas ähnliches umzusetzen? Es geht. Und so ist es Nicolai Müller ergangen:

Wie läuft der Verkauf?

Ganz gut, wir sind zufrieden. Es wurden bisher etwa 1800 Exemplare verkauft und rund 8500 Downloads getätigt. Das Amazon-Ranking geht rauf und runter, aber wir sind oft in der Top-100 der Wirtschaftsbücher zu finden. Wir hatten bereits zahlreiche Rezensionen in den unterschiedlichsten Medien. Vor kurzem hatten wir eine Rezension im Handelsblatt und in der Thema Wirtschaft, bald kommt noch eine im Harvard Business Manager. Außerdem ergeben sich viele schöne Kontakte.

Wie hast Du es geschafft, neben der Kanzleiarbeit ein Buch zu schreiben?

Das werde ich häufiger gefragt und manchmal schwingt da ein fast vorwurfsvoller Ton mit: „Wie? Dafür hast du Zeit?“ Ich habe gute Mit-Autoren, die Zusammenarbeit lief nahezu reibungslos. Das hat wirklich Spaß gemacht. Mein Mitherausgeber Clemens Jäger hat ebenfalls einen großen Teil dazu beigetragen und auch meine Mitarbeiter haben mich auch gut unterstützt und entlastet wo es ging. Vor allem hatte ich aber eine klare Vorstellung vom Ziel: Ich wollte ein Buch über wertorientierte Führung, nicht theorielastig, sondern ein Nahkampf-Buch mit Tipps aus dem Führungsalltag. Es war also wenig Forschung und Recherche gefordert.

Als Familienmitglied hast Du selber die Kanzlei-Übergabe mitgemacht. Sind einige Lektionen aus dem Buch selbst erlebt und hart erlernt?

Im Buch finden sich Kundensituationen aus meiner Beratungsarbeit. Unsere eigene Familien-Übergabe verlief sehr harmonisch. Es war früh klar, dass meine beiden Brüder und ich als Dreier-Gespann die Kanzlei übernehmen werden. Mein Vater hat eine gerechte Lösung gefunden – auch für meine weiteren Geschwister. Und von meiner Mutter kam immer wieder die Botschaft: „Haltet zusammen, alles andere ist zweitrangig.“ Allerdings gibt es auch Praxisbeispiele im Buch, die aus meiner eigenen Führungsarbeit stammen: Wir hatten einen Ausflug in einen Park geplant und uns bereit erklärt, sowohl die Busfahrt als auch die Eintrittskarten zu bezahlen. Als der ein oder andere Mitarbeiter äußerte, dass er seinen Samstag dafür „opfern“ müsste, war ich im ersten Moment geschockt und verärgert. Ich fühlte unsere „Großzügigkeit“ nicht gewürdigt und empfand das Verhalten als sehr undankbar. Je mehr ich also darüber nachdachte, desto mehr sah ich ein, dass es auch für den Mitarbeiter etwas Besonderes ist, seine freie Zeit mit Kollegen und der Geschäftsführung zu verbringen. Unsere Mitarbeiter haben in diesem Moment das Unternehmen privaten Aktivitäten vorgezogen. So habe ich mich auf der Rückfahrt bei unseren Mitarbeitern für ihre eingebrachte Zeit bedankt und im Gegenzug ebenfalls Dank erhalten. Solche Ereignisse sind es, die Wertschätzung lehren und die wollte ich gern teilen.

Was hast Du vor mit dem Buch?

Es ist schön, einmal die eigenen Führungsvorstellungen verschriftlicht zu haben und auch Mandanten darauf verweisen zu können. Wertorientierte Führung ist immer noch ein wenig beachtetes Thema. Jeder versteht, was es bedeutet, ein Produkt zu entwickeln und viele Male zu verkaufen. Werte, wie Vertrauen oder Wertschätzung, sind dagegen viel schwerer zu vermitteln und ihre Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg sind weniger greifbar, aber dennoch mächtig. Ich möchte das Thema mehr ins Rampenlicht rücken. Und gerade bei wertorientierter Führung ist der Weg das Ziel: Wie definiere ich die Werte? Wie baue ich sie auf? Und was mache ich, wenn es mal schief läuft? Dafür soll das Buch Denkanstöße liefern.

Infos und Kontakt

Zum Buch: Auf der Seite des Verlags ist ein Probekapitel einsehbar. Das Buch lässt sich dort als ebook (29,99 Euro) oder als Softcover (39,99 Euro) kaufen. Rosinenpicker können auch einzelne Kapitel herunterladen. Alle Infos hier

Und immer wieder schön zu sehen: der Drohnenflug über die Kanzlei

Zur Person: Nicolai Müller hat vor einiger Zeit die 10 Fragen beantwortet. Seine Familien-Kanzlei ist im Netz hier zu finden und hier auf Facebook.