• 23. Oktober 2016

10 Fragen an … StB Martin Müller-Spickermann

10 Fragen an … StB Martin Müller-Spickermann

10 Fragen an … StB Martin Müller-Spickermann 1024 683 Steuerköpfe

Auf dem Steuerberatertag in Dresden lief mir StB Martin Müller-Spickermann über den Weg. Das war doppelt gut. Erstens konnte er eine Rückfrage zu Digi-Bel klären, einer von ihm mitentwickelten App zur digitalen Belegübermittlung, und zweitens hat er zugesagt, die zehn Fragen zu beantworten.

Martin Müller-Spickermann führt zusammen mit StB Reiner Aust die Kanzlei Aust und Partner in Berlin. Gemeinsam betreiben die beiden eine sehr umtriebige Kanzlei, die auch vor Marketing nicht zurückschreckt. Auf ihrer Internetseite stellen sie Mandanten vor, sie laden ein zu großen Info-Tagen mit 20 Referenten und zeigen auf ihren youtube-Kanal einige Videos.

Die Kanzlei liegt an der sehr belebten Marktstr. in Berlin Reinickendorf. Der Kanzleiname prangt gut lesbar an der Fassade des mehrstöckigen Hauses – was schon für so manchen Neu-Mandanten gesorgt hat.

Über Berlin hinaus hat die Kanzlei als Keimzelle von Digi-Bel Bekanntheit erlangt – eine App zur digitalen Belegübermittlung direkt in die Datev-Welt (siehe den Artikel auf Steuerköpfe). In Dresden stand Müller-Spickermann den Besuchern des Digi-Bel-Stands für Fragen zur Verfügung.

Kanzleiwand mit Werbung (Foto: Martin Müller-Spickermann)

Und von einer Beraterin erreichte mich eine Rückfrage zu Digi-Bel: Mit der App kann man Belege abfotografieren und an die Kanzlei übermitteln. Bei Bewirtungsbelegen erlaubt die App auch, die notwendigen Ergänzungen (Personen, Anlass) einzutippen und somit besser lesbar zu halten. Die Frage der Beraterin: Akzeptiert das Finanzamt diese elektronische Ergänzung oder wird auf (handschriftlichen) Notizen direkt auf dem Bewirtungsbeleg bestanden?

Dazu Martin Müller-Spickermann: „Wir gehen davon aus, dass das Finanzamt die elektronische Ergänzung akzeptiert. Der Nutzer hat den Bewirtungsbeleg nach dem EStG um bestimmte Angaben in schriftlicher Form anzureichern. Das BGB schreibt zur schriftlichen Form vor, dass es sich um eine Urkunde handeln muss, die der Aussteller durch Namensunterschrift unterzeichnen muss. Bei Digi-Bel digitalisiert der Benutzer den Bewirtungsbeleg, ergänzt den digitalen Beleg um die Angaben und schließt die Erfassung durch eigenhändige Unterschrift auf dem Display seines Handys ab. Wir denken, dass damit eine Urkunde mit eigenhändiger Unterschrift hergestellt ist, welche dann in die Datev-Welt übermittelt und dort revisionssicher archiviert wird. Alternativ kann der Nutzer die Pflichtangaben vor der Digitalisierung des Beleges mittels App auf dem Papierbeleg vornehmen und diesen dann übermitteln. Entscheidet sich der Nutzer zur Digitalisierung mittel des Scannmoduls bei Digi-Bel, kann er nur so verfahren, da wir beim Scannen nicht die Möglichkeit der Unterschrift auf dem Handydisplay nutzen können“

Nun aber, seine zehn Antworten:

1. Warum sind Sie StB geworden?

Das war keine angeborene Entscheidung. Aufgewachsen bin ich zu DDR-Zeiten im Berliner Prenzlberg und ursprünglich hat es mich beruflich in die wissenschaftlich-technische Ecke gezogen. Studiert habe ich dann aber Jura. Im Studium habe ich im Steuerrecht mein Glück entdeckt. Doppelte Buchführung, Bilanzen – dort habe ich wiedergefunden, was mich immer fasziniert hat: Zahlen und Logik – back to the roots. Ich bin Rechtsanwalt habe aber streng genommen nie als solcher gearbeitet, sondern mich zuerst bei einer mittelgroßen WP-Gesellschaft als Prüfungsassistent verdingt und dann auch den Fachanwalt für Steuerrecht und den StB-Titel absolviert. 2004 habe ich meine eigene Kanzlei gegründet und dann 2010 mit meinem Kollegen StB Reiner Aust die Kanzleien am Standort des Kollegen zusammengelegt.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Die Modernität unserer Kanzlei, unsere Arbeitsweise und unsere Spezialisierung auf die Beratung von Prozessen und gemeinnützigen Einrichtungen. Wir haben unsere Abläufe sehr weit digitalisiert und können unseren Mandanten die Vorzüge dieser Arbeitsweise auch vermitteln. Oft tun Mandanten ja Dinge, von denen sie glauben, das so tun zu müssen. Wir hinterfragen solche Dinge – das gehört zu unserer Arbeitsweise – und können da oft arbeitssparende und digitale Prozesse implementieren.

Unsere Spezialisierung auf Gemeinnützigkeit ist natürlich hauptsächlich für entsprechende Einrichtungen relevant. Und da können wir auf schöne Erfolge verweisen: Etwa auf unseren hohen Bekanntheitsgrad und Empfehlungsquote gerade unter Kitas oder auf unsere Zusammenarbeit mit Software-Herstellern für Kitas. Mit denen entwickeln wir Schnittstellen in die Datev-Welt. Somit können wir unsere Spezialisierung und Verwurzelung in der Branche glaubhaft darstellen.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Beim Lesen und auf Seminaren. Besonders das Thema Digitalisierung beschäftigt mich. Demnächst besuche ich ein Seminar zum Thema „Leben und Arbeiten im Jahr 2036“. Ich frage mich immer: Kann ich meinen Kindern meinen Job noch empfehlen oder wird er in der Zukunft obsolet sein?

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Aktuell treibt mich die Ressourcenplanung für unsere Kanzlei um. Wir haben Ideen, Ideen und Ideen – und möchten diese natürlich auch umsetzen. Fachlich beschäftigen mich die GoBD stark. Ich halte Vorträge dazu und frage mich, wie strikt die Finanzverwaltung die Einhaltung aller dort festgeschriebenen Regeln einfordern wird. Denn wenn auf jeder Randziffer der GoBD beharrt wird, haben die Mandanten bald einen großen Bedarf an Beratung – und zwar Rettungsberatung.

Das sind die aktuellen Fragen. Was mich laufend umtreibt ist die Frage: Wie können wir den Mandanten verdeutlichen, dass sie mit unserer Hilfe wachsen können? Wir erfüllen die Standardleistungen einer StB-Kanzlei gut und auch gern. Für viele Mandanten ist das aber das Endziel einer Beratung. Ich sehe darin hingegen eher einen Grundstein für eine bessere und langfristigere Unternehmensführung. Wie können wir hier Interesse wecken und unseren Nutzen veranschaulichen?

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Wir sind ISO-zertifiziert und in diesem Rahmen sind auch die Personal-Abläufe mit geplant. Das heißt: Wir wissen ziemlich genau, wann wir wie viele Mitarbeiter mit dieser oder jener Qualifikation brauchen. Dementsprechend formulieren wir auch unsere Stellenanzeigen. Die Auswahl unter den passenden Kandidaten läuft hauptsächlich nach Bauchgefühl. Ich sehe nur zu, dass die Bewerbungsgespräche nicht allein geführt werden, um die gröbsten subjektiven Einfärbungen zu vermeiden.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Nichts anderes als jetzt auch. Wir könnten dann zwar Digi-Bel eingliedern, aber wozu? Die Entwicklung ist doch auch jetzt schon in guten Händen und wir haben eh genug zu tun.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Auf die Entscheidung mit StB Reiner Aust zusammenzugehen. Das bewahrheitet sich immer wieder und spiegelt sich auch im Erfolg unserer Kanzlei.

Erfreulich finde ich auch, dass einige unserer gemeinnützigen Mandanten auf Empfehlung des Finanzamts kommen. In anderen Beratungsfeldern mag das ein zweifelhaftes Lob sein, aber im Zusammenhang mit der Gemeinnützigkeit ist das – finde ich – ein ehrenwertes Lob.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Nicht viel – vielleicht: Mit welchen Mitteln und Werkzeugen planen andere Kanzleien ihre Ressourcen?

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Abzusehen, welche Folgen meine Entscheidungen morgen haben werden.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Mein Gradmesser ist immer, ob ich guten Gewissens vor meinen inneren Spiegel treten kann. Und das kann ich.

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