• 31. Januar 2017

Beim Umstieg von Papier zu digital wird oft der StB gewechselt

Beim Umstieg von Papier zu digital wird oft der StB gewechselt

Beim Umstieg von Papier zu digital wird oft der StB gewechselt 1024 482 Steuerköpfe

Es scheint ausgemacht, dass Automation die FiBu-Umsätze der Kanzleien gefährdet. Wie sieht dieser Wechsel von der anderen Seite aus? Fabian Silberer ist der Mitgründer von SevenIT. Die Offenburger Firma bietet mit sevDesk eine cloud-Software mit allen Features, die derzeit die Buchhaltung umkrempeln und für Laien beherrschbarer machen sollen. Er spricht über die Zusammenarbeit mit StB und deren Bereitschaft, Mandanten beim Aufstieg in die cloud zu führen.

Welche Rolle spielen Steuerberater in der Vermarktung von sevdesk?

Steuerberater sind für sevDesk sehr wichtig und wir arbeiten gerne mit ihnen zusammen. Mit sevDesk vereinfachen wir die laufende Buchhaltung für kleine Unternehmen. Wir tun das, indem wir die „Komplexität” der Buchführung im Hintergrund automatisieren. Dafür nutzen wir intelligente Machine-Learning-Algorithmen und Deep-Learning.

Fabian Silberer, CEO SevDesk
Fabian Silberer, CEO SevDesk

Was wir nicht ersetzen können, ist die fachkundige Beratung eines Steuerberaters. Noch kann nur ein Steuerberater die Situation eines Unternehmens korrekt beurteilen und weiß, welche steuerrelevanten Finessen sinnvoll sind. Und das kommunizieren wir unseren Kunden auch so.

Aber bereits heute haben wir einige Kunden, die keinen Steuerberater haben und auch keinen wollen.

Mit sevDesk bereitet der Kunde die laufende Buchhaltung selbstständig auf und schickt seinem Steuerberater einen Datev-Export. Steuerberater sparen mit ihren sevDesk-Mandanten Zeit und die Mandanten Geld.

Was man ja auch als Umsatzverlust der Berater bezeichnen könnte und als Dienstleister bin nicht besonders scharf auf Kunden, deren vorrangiges Ziel ist, Geld zu sparen. Wo sehen Sie konkret den Vorteil für die Berater in dieser Situation?

Zunächst muss man sehen, dass es nur die Mandanten betrifft, die ihre Buchhaltung selbst in die Hand nehmen wollen. Das ist für gewöhnlich nur ein Teil des Kundenstamms eines Steuerberaters.

Es ist aber weniger ein Vorteil als eher ein Kompromiss: Es wird immer mehr Unternehmer geben, die ihre Buchhaltung selbst machen wollen. Es wird ja immer einfacher und immer mehr lässt sich automatisieren. Aber klar – die Buchhaltungsleistung fällt bei diesen Mandanten größtenteils weg.

Aber Unternehmer, die sich für diesen Weg entschieden haben, gehen ihn entweder mit dem alten Steuerberater – oder eben mit einem anderen, der sie bei ihrer digitalen Lösung mit seiner Beratungsleistung unterstützt.

Es wird immer die Art von Mandanten geben, die ihre Buchhaltung extern machen lassen wollen. Alle anderen werden sich von Steuerberatern betreuen lassen, die zu ihrem Ansatz passen.

Wie einfach/schwer ist es, Steuerberater als Empfehler für Lösungen wie die Ihrige zu gewinnen?

Grundsätzlich sind die Steuerberater sehr interessiert. Nachdem die anfängliche Zurückhaltung verflogen ist („sevDesk könnte uns Kunden abwerben”) bemerken sie, dass wir ihnen nicht die Kundschaft nehmen, sondern sie und ihre Mandanten bei der täglichen Buchhaltung unterstützen.

Nachdem diese „Hürde” genommen und sie gesehen haben, wie einfach der Import und Export der Daten ist, empfehlen uns Steuerberater gerne an ihre Mandanten weiter, da beide Parteien davon profitieren.

Damit haben Steuerberater weniger Zeitaufwand und können sich auf die Beratung des Mandanten konzentrieren.

Wir arbeiten bereits mit 120 Kanzleien zusammen und bekommen positives Feedback.
Unser nächster Schritt ist ein Steuerberater-Portal (bereits in der Beta).

Einmal freigeschaltet, können Steuerberater ihre sevDesk Mandanten verwalten und den Datev-Export inklusive Belege der jeweiligen Mandanten herunterladen. Über das Portal können Steuerberater ihre Mandanten einfach per Email zur Zusammenarbeit einladen.

Wie aufgeschlossen erleben Sie Steuerberater, wenn es um den Einsatz von online-Lösungen zur Buchhaltung geht?

Die Mehrheit der Steuerberater versucht, mit dem Fortschritt der Technologie zu gehen und zeigt sich interessiert. Wir müssen jedoch immer wieder feststellen, dass es unter den Steuerberatern eine Fraktion der Alteingesessenen gibt.

Sie tun neue Technologien als vorübergehenden Trend ab, da sie mit ihrem bisherigen System schon lange gut fahren. Doch der der Zahn der Zeit nagt an ihrem Geschäftsmodell, und sie drohen über kurz oder lang den Anschluss verlieren.

„Das Steuerwesen ist so komplex, dass die Mandanten uns immer brauchen werden“, heißt es dann. Aber auch die Risikoanalyse von Verträgen ist komplex – und wird in den USA bereits von Bots durchgeführt (z.B. siehe Legalrobot.com). Was wäre, wenn diese Technologie in der Steuerberater-Branche Einzug erhält?

Wissenschaftler der Oxford University gehen bereits davon aus, dass der Job des Buchhalters in Zukunft mit einer Wahrscheinlichkeit von 94 bis 99 Prozent durch Computer ersetzt werden können. Und schon heute kann sevDesk 60 bis 70 Prozent aller Eingangsrechnungen vollautomatisiert verbuchen – für Ende 2017 sind 95 Prozent angestrebt.

Es ist noch nicht absehbar, wie die Technologie eingestaubte Branchen verändern wird. Klar ist: Die Branche wird sich verändern. Um auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein, sind Steuerberater gut beraten, wenn sie sich nicht vor dem technologischen Fortschritt verschließen.

Welche Wünsche werden von Steuerberatern an Sie herangetragen?

Ein großer Wunsch der Steuerberater war, dass Belege mit dem Datev-Export verknüpft werden können. Auch die Frage nach der Revisionssicherheit, dem Datenschutz und der Mandantenverwaltung sind immer wieder Thema.

Was berichten Ihre Nutzer von der Zusammenarbeit mit Steuerberatern?

Was wir von vielen Nutzern hören ist, dass sie das ständige Hin und Her des Pendelordners genervt und viel Zeit gekostet hat. Oft hatte der Buchhalter Rückfragen zu Belegen, die dann aus dem Kopf beantworten werden mussten. Monatliche Auswertung kamen zu spät, um kurzfristige Entscheidungen mit Daten stützen zu können. Kurz: der ehemalige Workflow war wenig befriedigend.

Indem Mandanten ihrem Steuerberater nun einfach den Datev-Export und die Belege per Mail senden können, sparen sie sich diese Reibungspunkte und damit viel Zeit. Dafür sind unsere Kunden sehr dankbar und wir bekommen häufig positives Feedback dafür.

Wie oft ist der Umstieg von Papier auf digital mit einem Wechsel des Steuerberaters verbunden?

Das hören wir immer häufiger.

Selbst Kunden die zufrieden sind wechseln ihren Steuerberater, weil dieser nicht versteht, dass sie die Buchhaltung anders machen wollen. Die Mandanten sehen, dass alle Daten und Informationen in sevDesk aufbereitet zur Verfügung stehen und der Steuerberater nicht damit arbeiten möchte. Andere Steuerberater haben das bereits verstanden und die Mandanten sind dann überrascht, wenn ein Steuerberater etablierte Prozesse für die Integration von digitalen Buchhaltungssystemen hat.

Wie technisch fit sind Kanzleien, wenn es um den Aufbau einer modernen Lösung (cloud-Buchhaltung, Datentausch usw.) für Mandanten geht?

Die meisten Kanzleien sind einigermaßen fit, was den Austausch von Daten und die Zusammenarbeit über das Internet angeht. Klar, es kommt immer mal wieder vor, dass uns ein Steuerberater fragt, wie er sevDesk Daten in sein Datev-Programm einspielen kann. Dafür haben wir detaillierte Video-Anleitungen erstellt, um es auch technisch weniger versierten Steuerberatern einfach machen, Daten ihrer Mandanten einzuspielen.

Wie oft hören Sie von Ihren Kunden: „Mein Steuerberater hat mir x Lösungen vorgestellt, sevdesk ist in die engere Auswahl gekommen”?

Bisher haben wir keinen Steuerberater erlebt, der sich als echter digitaler Lösungsanbieter positioniert hat. Meistens sind 1-2 Systeme bekannt, die dann vorgeschlagen werden.

Eigentlich sollte ein Berater je nach Branche, gewünschter Cloudeinsatz, benötige Integrationen etc. verschiedene Systeme vorschlagen können, die perfekt auf den Mandanten zugeschnitten sind. Wir sind natürlich froh, wenn uns Steuerberater empfehlen. Wenn die Bedürfnisse des Mandanten aber nicht zu unserer Software passen, ist das nicht zielführend.

Alles was Sie bieten, kann ich auch beim Steuerberater bekommen. Warum sollte ich Ihr Kunde werden?

Aus Mandanten-Sicht lohnt sich der Einsatz von sevDesk vor allem finanziell. Da der Steuerberater aufgrund der bereits aufbereiteten Buchhaltung weniger Zeit benötigt und mehr Zeit für die Beratung hat. Letztendlich verlagert man die Buchhaltungsarbeit, zum Ort der Erfassung, was lästige Abstimmungsarbeit eliminiert.

Die Branche verändert sich. Die marktdominierende Datev eG beginnt damit, sich mit Schnittstellen im Bereich laufende Buchhaltung und Lohn für Partner zu öffnen. Das dürfte als deutliches Signal gewertet werden dürfen.

Aktuell macht die laufende Buchhaltung ca. 30 bis 60 Prozent des Umsatzes eines Steuerberaters aus. Das wird sich in den nächsten Jahren drastisch ändern. Unternehmen werden die laufende Buchhaltung auf die Mandanten verlagern und mit neuen Technologien so stark automatisieren, dass es für sie nicht viel mehr Aufwand ist, als eine Rechnung zu schreiben.

Ein Großteil des benötigten Know-How wird dann durch Machine-Learning und Deep-Learning Algorithmen übernommen. Und das zu einem Preis, den kein Steuerberater mitgehen kann und will.

Als Steuerberater stellt sich die Frage, ob man den Umsatz einfach wegbrechen lässt oder ob man die Veränderung aktiv mitgestaltet und damit Einfluss auf die Zukunft nimmt.

Info und Kontakt:

SevDesk: Ablauf Buchhaltung mit cloud-Unterstützung