• 10. Februar 2017

Mehrwert statt Prittstift – Karl-Heinz Land über Digitalisierung und Steuerberatung

Mehrwert statt Prittstift – Karl-Heinz Land über Digitalisierung und Steuerberatung

1024 410 Steuerköpfe

Als Keynote-Speaker bringt Karl-Heinz Land vielen Spitzenorganisationen die Digitalisierung näher. Mit neuland, seiner Unternehmensberatung, geht er Unternehmen bei diesem Thema auch ganz praktisch zur Hand. Für Steuerköpfe beleuchtet er das Thema mal im Blick auf die Steuerberatung und spricht über seine persönlichen Erfahrungen mit der Branche.

Frage: Viele Steuerberater halten das Steuerrecht für einen Garanten ihrer Tätigkeit. Soll sich ändern was will, das Steuerrecht ist so kompliziert, so drängend, dass Mandanten immer einen Berater brauchen werden. Sind die Steuerberater vielleicht gar nicht so stark von der Digitalisierung betroffen wie andere Branchen?

Doch, da können die Berater sich gar nicht entziehen. Die Mechanik der Digitalisierung ist ganz einfach: Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden. Was vernetzt werden kann, wird vernetzt werden. Und was automatisiert werden kann, wird automatisiert werden.

Herausforderung: Integration und Automation

Einziger Vorteil der Berater ist vielleicht, dass ihre Dienstleistung auf Daten basiert, die oft schon digital vorliegen. Andere Branchen müssen erleben wie sich ihre Produkte dematerialisieren – vom Gegenstand zur App. Steuerberater überspringen also den ersten Schritt, haben die Herausforderungen des zweiten und dritten Schritts aber noch vor sich: Integration/Vernetzung und Automation.

Herausforderung: Integration und Automation

Einziger Vorteil der Berater ist vielleicht, dass ihre Dienstleistung auf Daten basiert, die oft schon digital vorliegen. Andere Branchen müssen erleben wie sich ihre Produkte dematerialisieren – vom Gegenstand zur App. Steuerberater überspringen also den ersten Schritt, haben die Herausforderungen des zweiten und dritten Schritts aber noch vor sich: Integration/Vernetzung und Automation.

Wenn das Arbeitsmaterial schon digital vorliegt, ist das eine gute Ausgangsposition. Die nötige Frage ist: Welchen Service kann ich darauf aufbauend anbieten? Man könnte ja mal ganz allgemein fragen: Was trage ich als Steuerberater zur Wertschöpfung meines Mandanten bei? Die Berater werden höherwertige Leistungen anbieten müssen, mehr als number-crunching, mehr als Deklaration. Und es muss in die Abläufe des Mandanten integriert sein, bitte keine Excel-Friedhöfe und keinen Mail-Terror.

Die Digitalisierung ermöglicht eine laufende Dauerinventur. Künstliche Intelligenz wird herkömmliche Buchhaltungsjobs obsolet machen. Zum Ausfüllen von Steuerformularen wird es auf absehbare Zeit keine Menschen mehr benötigen. Wir leben derzeit in einer Sonderkonjunktur, die alte Arbeitsweisen noch finanziert. Aber schon heute fotografiere ich meinen Spesenbeleg und brauche keine Prittstift mehr, um ihn einzukleben, und keinen Bearbeiter, der ihn entsprechend verbucht.

Welche Leistungen erwarten Sie denn von einem Steuerberater?

Ich will, dass mein Steuerberater mir hilft, mein Unternehmen besser zu machen. Beispiel Cashflow: Was passiert wenn ich konsequent Skonti nutze? Solche Hinweise sind aus Big-Data-Analysen möglich und erlauben eine interessante Beratung.

Und um ein Beispiel aus meinem Unternehmen zu bringen: Wir verdienen unser Geld mit der Entwicklung von Indices. Erst seit einem Steuerberaterwechsel weiß ich, dass die Kosten zur Entwicklung dieser Indices wie eine Software-Entwicklung abschreibbar sind. Ich möchte, dass mein Berater solche Dinge weiß, anstatt super busy mit Belegen zu sein.

Ich will, dass mein StB mir hilft, mein Unternehmen besser zu machen.

Mein ehemaliger Berater saß dem Irrglauben auf, dass mir mit der Einhaltung von Detailregeln gedient sei und ich das willige Opfer dieser Regelungswut bin. Nein! Wenn ich Dienstleistung einkaufe, will ich einen Nutzen haben, keine Mehrarbeit. Zum Nutzen zähle ich die gesetzliche Konformität und das beraterische Gespür dafür, wann Konformität in vorauseilenden Gehorsam umschlägt, wann sich Widerspruch lohnt. Mein ehemaliger Berater konnte allein mit dieser Frage nichts anfangen: Arbeiten sie für mich oder das Finanzamt? Jetzt habe ich eine andere Kanzlei. Die sieht sich als Wertschöpfungstreiber und hat mir als erstes den Einsatz eines online-Belegtausches vorgeschlagen.

Mit einer rein händischen Verarbeitung meiner Belege wäre mehr abzurechnen, aber wäre dann auch die Zeit vorhanden gewesen, sich so in die Verlagerung einer meiner Firmen in die USA zu hängen? Da hat die Kanzlei jedenfalls gegen die anfängliche Einschätzung des Finanzamts gekämpft und so einen Mehrwert für mich geschaffen. Den Unterschied machte die Einstellung des Beraters, weniger die Abarbeitung der laufenden Buchführung.

Wir haben für 20 Kanzleien einen Digital Disruption Index erstellt. Er zeigt, dass 50 bis 80 Prozent der Dienstleistungen in fünf Jahren obsolet sind. Wenn Sie das überschlagen, können Sie sich ausrechnen, dass die halbe Arbeit auch nur noch die halbe Belegschaft erfordern wird. Oder weniger.

Welche Dienstleistungen werden betroffen sein?

Für die verbleibende Beratung brauche ich jemanden, der sich in meine Software-Abläufe integriert.

Alle, bei denen Papier eine Rolle spielt. Papierbelege werden weniger. Die Daten liegen zunehmend primär digital vor. Und solche Daten schaffen Transparenz, ermöglichen Automation und den Einsatz von künstlicher Intelligenz. So machen Sie aus einem Schiff einen Einhandsegler. Schauen Sie, seitdem wir Scopevisio nutzen, geben wir jährlich 12.000 Euro weniger für die laufende Buchhaltung aus – Stichwort Prittstift. Für die verbleibende Beratung brauche ich jemanden, der sich in meine Software-Abläufe integriert. Einen anderen will ich nicht. Und als Steuerberater würde ich keinen Mandanten wollen, der mir eine Integration erschwert, weil an Papier oder an einer Silo-Haltung von Daten festgehalten wird. Wer sich als Berater an diese Maxime hält, wird sich künftig die guten Kunden holen.

Für die verbleibende Beratung brauche ich jemanden, der sich in meine Software-Abläufe integriert.

Alle, bei denen Papier eine Rolle spielt. Papierbelege werden weniger. Die Daten liegen zunehmend primär digital vor. Und solche Daten schaffen Transparenz, ermöglichen Automation und den Einsatz von künstlicher Intelligenz. So machen Sie aus einem Schiff einen Einhandsegler. Schauen Sie, seitdem wir Scopevisio nutzen, geben wir jährlich 12.000 Euro weniger für die laufende Buchhaltung aus – Stichwort Prittstift. Für die verbleibende Beratung brauche ich jemanden, der sich in meine Software-Abläufe integriert. Einen anderen will ich nicht. Und als Steuerberater würde ich keinen Mandanten wollen, der mir eine Integration erschwert, weil an Papier oder an einer Silo-Haltung von Daten festgehalten wird. Wer sich als Berater an diese Maxime hält, wird sich künftig die guten Kunden holen.

Diese Fragen betreffen übrigens die gesamte Wirtschaft. Wenn das Auto in Zukunft selbstständig fährt, was macht dann der Taxifahrer, der Lkw-Fahrer? Als Unternehmer muss ich mich ehrlich mit dieser Mechanik auseinandersetzen. Einfache Tätigkeiten fallen weg, Kunden brauchen mich nur noch für die hochwertigeren Dienstleistungen. Zwei Fragen: Wenn 50 Prozent meiner Dienstleistungen wegbrechen, was mache ich dann? Womit will ich in fünf oder zehn Jahren meinen Umsatz machen, mein Personal beschäftigen? Das sind provokante Fragen, mit denen man aber was bewegen kann. Meine Botschaft an Steuerberater ist: Stellt Euch nicht so an, denn das Problem haben wir alle. Bei neuland machen wir derzeit 100 Prozent unseres Umsatzes mit Beratung zur Digitalisierung. Das wird in ein paar Jahren niemand mehr nachfragen. Deshalb haben wir intern auch einen Workshop mit den zwei Fragen abgehalten – mit sehr interessanten Ergebnissen.

Worin sehen Sie denn den Ausweg?

In Plattformen und im Teilen. Plattformen, die eine Zusammenarbeit nach den genannten Prinzipien ermöglichen. Und im Teilen der Kosten, die dadurch entstehen, Stichwort Share Economy. Für beides ist die cloud die natürliche Antwort: Die Cloud berechnet dem Kunden hauptsächlich die Nutzung einer Software, nicht deren Entwicklung, und sie ermöglicht Integration. Wer in Zukunft keine cloud-Strategie hat, wird hinten herunterfallen. Wer eine Cloud-Strategie zugrunde legt und darauf einen tollen Service setzt, wird gewinnen.

Info & Kontakt

Karl-Heinz Land (xing) ist Inhaber der Kölner Unternehmensberatung neuland und als Sprecher häufig zum Thema Digitalisierung zu hören, zum Beispiel auf dem Cloud-Unternehmertag von Scopevisio (Bericht hier: „Wir wollen nicht die beste Buchhaltung entwickeln, sondern die Buchhaltung nahezu abschaffen“) und auf dem 39. Steuerberatertag Steuerberatertag in Dresden. Eine youtube-Suche nach seinen Vorträgen lohnt, eine Kurzversion findet sich hier und erklärt auch, weshalb er sich Digital Darwinist und Evangelist nennt. Auf der neuland-Website kann zum Beispiel der Digital Readiness Index und das pdf „Dematerialisierung – Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinismus“ herunterladen werden.