• 19. März 2017

10 Fragen an StB Florian Gößmann-Schmitt und StB Frank Hahn

10 Fragen an StB Florian Gößmann-Schmitt und StB Frank Hahn

1024 486 Steuerköpfe

Frank Hahn will an Buchhaltungsrobotern schrauben und Florian Gößmann-Schmitt freut sich auf den Wettbewerb. Gemeinsam wollen sie den Markt an digitalisierungswilligen Mandanten abfischen und haben dafür gerade eine online-Kampagne gestartet.

Auf smarter-buchen.de können Unternehmer mittels eines kleinen Tests herausfinden, welche Bereiche ihrer Verwaltung von einer Digitalisierung profitieren würden. Begleitet wird die online-Kampagne mit großen Plakatmotiven in Gewerbegebieten in der bayrischen Rhön, der Heimat der zwei Steuerberater.

1. Warum sind Sie Steuerberater geworden?

Florian Gößmann-Schmitt: Als Schüler habe ich bei einer Spedition in Schweinfurt Paletten bestückt. Dann bekam ich den Tipp, mich auf einen Hiwi-Job beim Steuerberater zu bewerben und habe dann dort fortan amerikanische Journale addiert. Im warmen Büro statt in der kalten Lagerhalle, für 15 Mark statt 11 wie bei der Spedition. Anschließen habe ich alle Schulpraktika dort gemacht und der Chef hat mir daraufhin einen Ausbildungsplatz angeboten. Nach der Ausbildung habe ich gleich den Bilanzbuchhalter begonnen, dort meine Frau kennen gelernt und als frisch verheirateter Vater schließlich die Prüfung bestanden. Mit einem eigenen Kontierungsservice habe ich mir dann die StB-Ausbildung finanziert und an meinem Geburtstag 2013 schließlich die Bestellungsurkunde bekommen. Soweit zum Wie, jetzt zum Warum: Erst Mathematik und später noch Rechnungswesen waren meine Lieblingsfächer in der Schule. Ich fand es immer schon schön, wenn etwas aufgeht. Reiner Zufall, dass ich durch den Nebenjob den Beruf dazu gefunden habe.

Frank Hahn: Den Ausbildungsplatz bei der Bank hatte ich in der Tasche. Nachdem wir in der dritten Stunde Mathe in der Berufsschule immer noch Dreisatzrechnen übten, habe ich mich in letzter Sekunde für den gehobenen Dienst in der bayrischen Finanzverwaltung angemeldet. Das war im Herbst und als Beifahrer bin ich nach München gedüst. So bin ich zum Thema Steuern gekommen. Nach der Ausbildung bin ich zurück in die Rhön – zurück in die Heimat – zu einem Steuerberater. Steuern liegen mir. Ich bin dabei geblieben.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Durch unsere weitgehend digitale Arbeitsweise haben wir einen Vorsprung gegenüber anderen Kanzleien. Wir sind sehr technikaffin und haben schon für viele Programme selber Schnittstellen und Datenübernahmen programmiert – wo andere Kollegen noch mit der Hand Daten übernehmen. Unter unseren Neumandanten sind viele, die mit der papiernen Arbeitsweise ihres vorherigen Beraters unzufrieden sind.

Nix Fachliches. Es geht mehr darum, den Mandanten das Gefühl zu geben, dass er bei uns gut aufgehoben ist. Ich lade jeden Interessenten ins Büro ein, auch wenn deren Anfahrt etwas länger ist. Wer Interesse hat, kommt. Und wer kommt, bleibt. Dann unterhalten wir uns ausführlich. Manche haben schon zehn mal einen Besuch angekündigt und sind nie erschienen, da laufe ich nicht hinterher.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Meistens aus der Steuerberatungs-Optimierungs-Literatur. Zum Beispiel: StB Mario Tutas: Spieler oder Trainer, Die 4-Stunden-Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben – Timothy Ferriss, Christoph Bausum, Markus Grote: Steuerberater. Ja, ich will. So wird es nicht langweilig. Und man muss sich halt vor Augen führen, dass 60-Stunden-Wochen meist das Ergebnis von mangelnder Prozessbeherrschung sind. Da möchte ich nicht enden. Im Gegenteil: Ich möchte später nur noch beraten, Prozesse fortentwickeln und Rechnungen unterschreiben. (Lacht).

Im täglichen Leben. Ich lese viel: steuerkoepfe.de, xing, Datev, NWB und andere. Da hole ich mir gern Infos über die Arbeitswelt von morgen.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Neben der laufenden Prozessoptimierung, treibt mich die Frage um: Was kommt eigentlich nach der Digitalisierung? Was ist, wenn die Mitarbeiter tatsächlich nur noch Buchungen kontrollieren und Auswertungen raussenden? Ich möchte dann verstärkt betriebswirtschaftliche Beratung, Existenzgründer- und Prozessberatung anbieten.

Die Bildung der nächsten Berater-Generation. Mein Kollege Florian Gößmann-Schmitt ist jetzt an Bord, eine Mitarbeiterin geht derzeit in die mündliche Prüfung, ein Mitarbeiter beginnt bald mit der Vorbereitung.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Die fachliche Qualifikation ist mir sehr wichtig. Eine hohe Qualifikation entlastet die Führungskräfte, eine niedrige nicht. Technische Affinität ist mir wichtig und zu einem Stück weit auch die Sympathie.

Wir nehmen fast jeden, wenn das fachliche Potenzial da ist. Denn wir haben einen gewissen Heißhunger. Vor 17 Jahren habe ich mit fünf Mandanten angefangen, heute sind es 30 Arbeitsplätze. Jede Woche kommt ein neuer Mandant. Daher geben wir auch Quereinsteigern in das Steuerfach die Gelegenheit. Die brauchen zwar anfangs etwas länger, aber ich denke, man lernt sich nur durch Zusammenarbeit kennen. Und wenn man dann 30 Jahre zusammen arbeitet, kann man anfangs auch mal ein Jahr investieren.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Vielleicht einen Handel mit technischen Geräten aufziehen. Ansonsten würde ich mich über die Marktbereinigung freuen. Noch können sich viele Berater aufgrund der Standesregeln und StBVV über Wasser halten. Fallen die Regeln, wäre es damit vorbei – dann zählt nur noch Dienstleistungsniveau und Prozessbeherrschung.

Unser Dienstleistungs-Portfolio weiter in Software- und IT-Beratung ausdehnen. Das tun wir jetzt ja auch schon. Das ist einfach der Weg in die Zukunft. Wenn die Buchhaltungsroboter kommen, dann braucht es jemanden, der sie installiert, einstellt und wartet.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Dass ich mir über den Weg der Selbstständigkeit den StB erarbeitet habe.

Stolz? Stolz treibt mich nicht um. Stolz ist ein Energie-Dieb. In der Zeit in der andere stolz sind, berate ich den nächsten Mandanten 🙂

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Ob die gute Mitarbeiter zum Abwerben haben. (Lacht). Im Ernst: Abwerbungen sind eine Tatsache. Ich habe selbst zwei Abwerbeversuche erlebt. Meine ehemalige Chefin hat ein gutes Händchen für die Bewerberauswahl und immer Top-Leute. Mich interessiert schon, wie sie das immer wieder geschafft hat.

Die Neugier würde meinen Blick auf die Mandantenliste lenken, Kanzlei-BWA, Erfolgszahlen und die Ausstattung der Kanzlei.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Manchmal wünsche ich mir mehr kaufmännische Abgeklärtheit.

Multitaskingfähigkeit – wie die Frauen.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Ich bin gespannt auf das, was kommt. Wie viele Kanzleien werden die Digitalisierung überstehen? Und wie viele Mandanten? Ich habe den Eindruck, dass die derzeitige Niedrigzinsphase zu einer gewissen kaufmännischen Unbekümmertheit führt und nicht alle Wirtschaftstreibenden sich der Umbruchsituation bewusst sind. Dabei ist das alles längst in unserem Alltag zu beobachten: Als ich kürzlich mein Auto zur Inspektion abgab, wurde das alles per Tablet erfasst, die nötigen Ersatzteile wurden automatisch bestellt und taggleich geliefert. Wer da noch mit Zetteln hantiert, ist nicht mehr lange da.

Ich bin froh, dass wir da stehen, wo wir heute sind und freue mich auf die nächsten Herausforderungen.

Kontakt

Hahn Gößmann-Schmitt PartG mbB
Steuerberater
Torstraße 39
97618 Heustreu

Telefon 09773/8977-0
Telefax 09773/8977-17

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