• 4. Juni 2017

Eindrücke vom 55. Steuerberaterkongress

Eindrücke vom 55. Steuerberaterkongress

1024 683 Steuerköpfe

Etwa 1300 Gäste hatten sich nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer zum 55. Steuerberaterkongress angemeldet. Ein Thema der Veranstaltung: Die Gewinnung des beruflichen Nachwuchs. Weitere Eindrücke:

Treffpunkt junge Steuerberater auf dem 55. Deutschen Steuerberaterkongress, Bundessteuerberaterkammer,

Ein Treffpunkt

Auf dem „Treffpunkt junge Steuerberater“ konnten am zweiten Tag des Kongresses die Gäste Kollegen nach ihrem Weg in die Selbstständigkeit befragen. BStBK-Vizepräsident Hartmut Schwab (Mitte) moderierte und stellte die Fragen, die zuvor per App eingereicht werden konnten. Die Berater (von links) antworteten: Benita Königbauer (Buch: Abenteuer Wunschkanzlei), Stefan Crivellin, Markus Gutenberg (Buch „Mut zur Selbstständigkeit) und Alexander C. Schüffner. Eine lebhafte Veranstaltung mit Antworten aus der Praxis und rund 100 Gästen.

Bayerische Staatsminister der Finanzen Markus Söder eröffnet den 55. Deutschen Steuerberaterkongress in München. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schließt den ersten Tag im Gespräch mit BStBK-Präsident Raoul Riedlinger.

Zwei Finanzminister

Der Bayerische Staatsminister der Finanzen Markus Söder spricht zur Eröffnung des 55. Deutschen Steuerberaterkongress in München. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schließt den ersten Tag im Gespräch mit BStBK-Präsident Raoul Riedlinger.

Schäuble zeigte sich aufgeschlossen für eine gemeinsame deutsch-französische Unternehmensbesteuerung, berichtet der Bayerische Rundfunk. Midia Nuri beschäftigt sich auf dem Datev Blog Trialog mit Schäubles Forderungen nach Fairness und Kontrolle.

Nachwuchs

BStBK-Präsident Raoul Riedlinger stellte neben den berufspolitischen Empfehlungen der Kammer (siehe weiter unten) auch die die aktuelle Berufsstatistik vor.

Insgesamt konnte die Kammer einen Anstieg der Mitgliederzahlen um 0,9 Prozent verzeichnen. Bei genauerem Hinsehen wird auch klar: Der Nachwuchs rennt dem Beruf nicht gerade die Türen ein.

Die Zahl der Azubis in den Kanzleien ist leicht gesunken

Zum Stichtag 31. Dezember 2016 waren insgesamt 18.420 Ausbildungsverhältnisse zum Steuerfachangestellten registriert. Das sind 0,5 % weniger als im Vorjahr.

In der Berufsstatistik (pdf) wird Niedersachsen hervorgehoben: „Im Vergleich zu ihrer Mitgliederzahl ist die Steuerberaterkammer Niedersachsen mit einer Ausbildungsquote von 34,6 % die stärkste Steuerberaterkammer im Bereich der Ausbildung.“

Das ist der beste Wert des Jahrzehnts. Die niedersächsische Ausbildungsquote lag aber auch schon mal höher: In den 1990er Jahren erreichte sie Werte zwischen 50 und 95 Prozent, in den Nuller-Jahren zwischen 30 und 56 Prozent.

Nachwuchsgewinnung bleibt somit ein Thema. Das zeigt sich auch bei den StB Examen. Den Prüfungsdurchgang 2015/2016 haben 1867 Kandidaten bestanden – der bisherige Tiefststand des Jahrzehnts.

Auf dem Kongress wurden verschiedene Gegenmaßnahmen vorgestellt:

  1. Überarbeitung der Ausbildungsordnung für Steuerfachangestellte. Die Kammer hat einen entsprechenden Antrag beim Bundesministerium für Wirtschaft gestellt. Lerninhalte (‘tschüß Vermögensteuer, hallo Digitalisierung) und Verfahren werden nun überarbeitet. Die Arbeit liegt beim Bundesinstitut für Berufsbildung, weitere Organisationen und die Kammer werden einbezogen. Das Verfahren soll nach Schätzung der BStBK etwa zwei Jahre dauern und die Ausbildungsordnung wieder praxistauglicher und fit für die kommenden 20 Jahre machen.
  2. Verkürzung der berufspraktischen Voraussetzungen zum StB-Examen. Bei den zwei Jahren für akademische StB-Anwärter soll es bleiben. Aber die anderen Zufahrtswege in den Berufsstand – etwa für Steuerfachwirte – könnten verkürzt werden.
  3. „Erleichtern, aber das Niveau halten“ das ist der Ansatz der Kammer zu einer Überarbeitung der StB-Examen. Es sei verfehlt, hohe Durchfallquoten allein auf eine mangelnde Vorbereitung der Kandidaten zu schieben. Angedacht sei daher, Teilbereiche der Prüfung nachschreiben zu können, ähnlich wie bei den Wirtschaftsprüfern. Mit einer Anrechnung von Studienleistungen sei weiterhin nicht zu rechnen, da die Universitäten in der Gestaltung ihrer Lerninhalte frei sind.
Anstecknadel mit der neu entwickelten Marke „Ihr Steuerberater“.

Eine Marke

Raoul Riedlinger stellte die neue entwickelte Marke „Ihr Steuerberater“ vor, die das Bewusstsein für den Beruf stärken soll. Das Logo gibt es zum Beispiel als Anstecknadel. Auch ein neuer Imagefilm wurde vorgestellt. Darin werden Passanten zu ihren Vorstellungen vom Beruf befragt. Auf dem youtube-Channel der BStBK ist der Film allerdings noch nicht zu finden.

BStBK-Präsident Raoul Riedlinger auf dem 55. Deutschen Steuerberaterkongress

Positionen

An der Einführung der „europäischen Dienstleistungspakets“ stört die Kammer, dass die EU-Kommission damit beliebig nationalstaatliche Berufsordnungen überschreiben könne. Als Gegenmittel bleibt den Staaten allein die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs. Riedlinger forderte die Umkehrung dieses Verfahrens, sodass die EU-Kommission Vertragsverletzungsverfahren einleiten solle, wenn ihrer Meinung nach einzelstaatliche Regeln den Binnenmarkt einschränkten.

Riedlinger kritisierte auch die Pläne für eine Anzeigepflicht von Steuergestaltungsmodellen. Sie gefährde das vertrauliche Mandatsverhältnis. Bei der Digitalisierung sieht Riedlinger eine „Nutzenasymetrie“ zu Gunsten der Finanzverwaltung und Lasten des Berufstands.

Dr. Angelika Meindl-Ringler mit dem „Förderpreis internationales Steuerrecht 2017“ der BStBK ausgezeichnet

Ein Tusch!

Dr. Angelika Meindl-Ringler wurde für ihre Dissertation ausgezeichnet. BStBK-Vizepräsident Volker Kaiser übergab den „Förderpreis internationales Steuerrecht 2017“. Die Preisträgerin überzeugte das Präsidium der BStBK mit ihrer Dissertation „Benefical Ownership in International Tax Law“.

Etwa 1300 Gäste hatten sich nach Angaben der Bundessteuerberaterkammer zum 55. Steuerberaterkongress angemeldet. Ein Thema der Veranstaltung: Die Gewinnung des beruflichen Nachwuchs. Weitere Eindrücke:

Treffpunkt junge Steuerberater

Auf dem „Treffpunkt junge Steuerberater“ konnten am zweiten Tag des Kongresses die Gäste Kollegen nach ihrem Weg in die Selbstständigkeit befragen. BStBK-Vizepräsident Hartmut Schwab (Mitte) moderierte und stellte die Fragen, die zuvor per App eingereicht werden konnten. Die Berater (von links) antworteten: Benita Königbauer (Buch: Abenteuer Wunschkanzlei), Stefan Crivellin, Markus Gutenberg (Buch „Mut zur Selbstständigkeit) und Alexander C. Schüffner. Eine lebhafte Veranstaltung mit Antworten aus der Praxis und rund 100 Gästen.

Zwei Finanzminister

Der Bayerische Staatsminister der Finanzen Markus Söder spricht zur Eröffnung des 55. Deutschen Steuerberaterkongress in München. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schließt den ersten Tag im Gespräch mit BStBK-Präsident Raoul Riedlinger.

Schäuble zeigte sich aufgeschlossen für eine gemeinsame deutsch-französische Unternehmensbesteuerung, berichtet der Bayerische Rundfunk. Midia Nuri beschäftigt sich auf dem Datev Blog Trialog mit Schäubles Forderungen nach Fairness und Kontrolle.

Nachwuchs

BStBK-Präsident Raoul Riedlinger stellte neben den berufspolitischen Empfehlungen der Kammer (siehe weiter unten) auch die die aktuelle Berufsstatistik vor.

Insgesamt konnte die Kammer einen Anstieg der Mitgliederzahlen um 0,9 Prozent verzeichnen. Bei genauerem Hinsehen wird auch klar: Der Nachwuchs rennt dem Beruf nicht gerade die Türen ein.

Die Zahl der Azubis in den Kanzleien ist leicht gesunken

Zum Stichtag 31. Dezember 2016 waren insgesamt 18.420 Ausbildungsverhältnisse zum Steuerfachangestellten registriert. Das sind 0,5 % weniger als im Vorjahr.

In der Berufsstatistik (pdf) wird Niedersachsen hervorgehoben: „Im Vergleich zu ihrer Mitgliederzahl ist die Steuerberaterkammer Niedersachsen mit einer Ausbildungsquote von 34,6 % die stärkste Steuerberaterkammer im Bereich der Ausbildung.“

Das ist der beste Wert des Jahrzehnts. Die niedersächsische Ausbildungsquote lag aber auch schon mal höher: In den 1990er Jahren erreichte sie Werte zwischen 50 und 95 Prozent, in den Nuller-Jahren zwischen 30 und 56 Prozent.

Nachwuchsgewinnung bleibt somit ein Thema. Das zeigt sich auch bei den StB Examen. Den Prüfungsdurchgang 2015/2016 haben 1867 Kandidaten bestanden – der bisherige Tiefststand des Jahrzehnts.

Auf dem Kongress wurden verschiedene Gegenmaßnahmen vorgestellt:

  1. Überarbeitung der Ausbildungsordnung für Steuerfachangestellte. Die Kammer hat einen entsprechenden Antrag beim Bundesministerium für Wirtschaft gestellt. Lerninhalte (‘tschüß Vermögensteuer, hallo Digitalisierung) und Verfahren werden nun überarbeitet. Die Arbeit liegt beim Bundesinstitut für Berufsbildung, weitere Organisationen und die Kammer werden einbezogen. Das Verfahren soll nach Schätzung der BStBK etwa zwei Jahre dauern und die Ausbildungsordnung wieder praxistauglicher und fit für die kommenden 20 Jahre machen.
  2. Verkürzung der berufspraktischen Voraussetzungen zum StB-Examen. Bei den zwei Jahren für akademische StB-Anwärter soll es bleiben. Aber die anderen Zufahrtswege in den Berufsstand – etwa für Steuerfachwirte – könnten verkürzt werden.
  3. „Erleichtern, aber das Niveau halten“ das ist der Ansatz der Kammer zu einer Überarbeitung der StB-Examen. Es sei verfehlt, hohe Durchfallquoten allein auf eine mangelnde Vorbereitung der Kandidaten zu schieben. Angedacht sei daher, Teilbereiche der Prüfung nachschreiben zu können, ähnlich wie bei den Wirtschaftsprüfern. Mit einer Anrechnung von Studienleistungen sei weiterhin nicht zu rechnen, da die Universitäten in der Gestaltung ihrer Lerninhalte frei sind.

Eine Marke

Raoul Riedlinger stellte die neue entwickelte Marke „Ihr Steuerberater“ vor, die das Bewusstsein für den Beruf stärken soll. Das Logo gibt es zum Beispiel als Anstecknadel. Auch ein neuer Imagefilm wurde vorgestellt. Darin werden Passanten zu ihren Vorstellungen vom Beruf befragt. Auf dem youtube-Channel der BStBK ist der Film allerdings noch nicht zu finden.

Positionen

An der Einführung der „europäischen Dienstleistungspakets“ stört die Kammer, dass die EU-Kommission damit beliebig nationalstaatliche Berufsordnungen überschreiben könne. Als Gegenmittel bleibt den Staaten allein die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs. Riedlinger forderte die Umkehrung dieses Verfahrens, sodass die EU-Kommission Vertragsverletzungsverfahren einleiten solle, wenn ihrer Meinung nach einzelstaatliche Regeln den Binnenmarkt einschränkten.

Riedlinger kritisierte auch die Pläne für eine Anzeigepflicht von Steuergestaltungsmodellen. Sie gefährde das vertrauliche Mandatsverhältnis. Bei der Digitalisierung sieht Riedlinger eine „Nutzenasymetrie“ zu Gunsten der Finanzverwaltung und Lasten des Berufstands.

Ein Tusch!

Dr. Angelika Meindl-Ringler wurde für ihre Dissertation ausgezeichnet. BStBK-Vizepräsident Volker Kaiser übergab den „Förderpreis internationales Steuerrecht 2017“. Die Preisträgerin überzeugte das Präsidium der BStBK mit ihrer Dissertation „Benefical Ownership in International Tax Law“.