• 27. Juli 2017

10 Fragen an … StB Mario Tutas

10 Fragen an … StB Mario Tutas

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Mario Tutas hat den Mailverkehr in seiner Kanzlei lahmgelegt, Bücher geschrieben und – zumindest für sich – herausgefunden, was es für den Wow-Effekt bei Mandanten braucht.

Kanzlei

StB Mario Tutas und StB WP Ingo Kruse betreiben mit ihren 22 Angestellten die TKP StB-Gesellschaft in Cuxhaven.

Person

Mario Tutas (xing) berät Kollegen und will sie als Mentor zum Kanzleierfolg führen. Von seiner Mailsperre (siehe unten) und seiner Teilnahme am Programm „Great Place to Work“ war auf dieser Seite bereits zu lesen.

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Kontakt

Mario Tutas (xing) berät Kollegen und will sie als Mentor zum Kanzleierfolg führen. Von seiner Mailsperre (siehe unten) und seiner Teilnahme am Programm „Great Place to Work“ war auf dieser Seite bereits zu lesen.

2014 führte Tutas eine – bis heute bestehende – Mailsperre ein. Alle Kanzleimitglieder sind nur zwei Stunden am Tag per Mail erreichbar, siehe den Steuerköpfe-Artikel: Juchu, schon wieder keine Mail. Seine Kanzlei wurde auch schon von „Great Place to Work“ ausgezeichnet (siehe den Steuerköpfe-Artikel). Als Autor hat er unter anderem diese Werke veröffentlicht: „Spieler oder Trainer“, Praxishandbuch für Steuerfachangestellte und mit weiteren Autoren „Steuerberatung 2020“.

1. Warum sind Sie StB geworden?

Als kleiner Realschüler hatte ich meinen Bruder besucht, der im Finanzamt eine Ausbildung gemacht hat. „Cool, hier brauchst Du ja gar nicht arbeiten“, war damals mein Eindruck. Meine Eltern gefiel auch der Beamtenstatus, also habe ich erst ein Praktikum gemacht, dann die Ausbildung mittlerer Dienst beim Finanzamt begonnen. Im zweiten Lehrjahr hatten wir dann Steuerrecht und ich habe nur noch Einsen und Zweien geschrieben. Zuerst hatte ich diesen Erfolg nicht verstanden, aber er hat mir Freude und Motivation beschert. Heute weiß ich, warum die Noten besser wurden: Gesetze sind wie wenn-dann-Abläufe, genau wie bei meinem C64, auf dem ich damals ständig programmierte. Nach der Ausbildung blieb ich noch zwei Jahre beim Finanzamt, aber meine Lust auf den Beruf war mit meinem Erfolgen in den Steuerrechtsstunden schon angelegt. Übrigens: Als frischer Finanzbeamter hatte ich einem Problembezirk übernommen. Ich hab mich dann richtig reingehängt und den Bezirk in die Top-Drei geführt. Als Belohnung bekam ich den nächsten Problembezirk zugewiesen. Ich erkannte damals: Im Mittelfeld liegt die Wahrheit und nur noch so viele Fälle bearbeitet, um aus der Misere zu kommen, ohne positiv aufzufallen. Das hat mich viel über Mitarbeitermotivation gelehrt.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Es kommt nicht auf die Dienstleistung an, sondern auf das persönliche Engagement des Handelnden. Echtes Engagement ist selten – in allen Berufen, entgegen allen Lippenbekenntnissen. Ich sage meinen Mandanten zu, dass ich ihre Fälle behandele, als ob es um mich ginge. Das meine ich ernst und danach richte ich mich. Zum Engagement gehört auch unsere Bedürfnisaufnahme: Neue Mandanten werden gefragt, was sie sich wünschen und wie sie die Ergebnisse brauchen. Ein visueller Mandant bekommt eine Auswertung mit Bildern, ein Zahlenmensch bekommt die Zahlenfriedhöfe, die er liebt. Echter Einsatz und individuelles Eingehen auf Kunden reicht für den Wow-Effekt.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Indem ich mit offenen Augen durch die Welt gehe. Zuletzt hat mich eine Frau beeindruckt, die andere Menschen zu ihrem Diamantenzirkel einlädt. Sie spricht Leute an, die strahlen – wie ein Diamant. Das können wildfremde Menschen an der Supermarktkasse sein. Wenn sie etwas in ihnen sieht, lädt sie sie zu einer Gesprächsrunde und kocht für sie. Denen präsentiert sie ihre Ideen und lässt sich beraten, wie diese fortentwickelt werden können. Klingt vielleicht merkwürdig, aber funktioniert. Sie bekommt Input, der unheimlich wertvoll sein kann, zum Preis eines Abendessens – allein weil sie es schafft, wertschätzend an andere heranzutreten.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Eigentlich keine.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Wir wählen im Team mit den Mitarbeitern aus. Kandidaten werden von den Teammitgliedern mit Schulnoten in Auftreten, Fachwissen, Persönlichkeit bewertet und der Rest ist Mathematik.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Erstmal drei Wochen feiern. Ich bin kein Freund dieses Konstrukts „freier Beruf mit vielen Einschränkungen“. Wir sind aufgrund der Marktsituation zu einem gewerblichen Auftritt gezwungen, durch Regelungen aber an einer vollkommen freien Entfaltung gehindert. Ich hatte bislang zwölf Verfahren mit der Kammer, da ging es um die Größe des Kanzleischilds, Nennung der Zweigniederlassung und Führen der Fachberater-Qualifikation. Alle Verfahren gingen aus wie das Hornberger Schießen, aber ich hatte den Aufwand. Also, ich würde erstmal drei Wochen lang feiern und dann weitermachen wie bisher.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Dass ich mich selbstständig gemacht habe. Und dass wir in der Kanzlei eine Kultur der Wertschätzung für die Mitarbeiter aufbauen konnten. Das hat mir am meisten gebracht, finanziell wie im Hinblick auf meine persönliche Zufriedenheit.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Als Kanzleicoach kann ich das ja schon zum Teil. Jede Kanzlei hat eine Individualität, das finde ich interessant. Als „Spionageobjekt“ würde ich mir auch gar nicht eine tolle Kanzlei aussuchen, sondern ruhig eine stagnierende oder kränkelnde Kanzlei. Wie wird da geführt? Wie wird dort gearbeitet? Was sind die erfolgsentscheidenen Hebel?

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Ich bin wunschlos glücklich.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Überragend.