• 13. August 2017

10 Fragen an … StBin Karin Janssen

10 Fragen an … StBin Karin Janssen

10 Fragen an … StBin Karin Janssen 1024 550 Steuerköpfe

Als Referentin für Scopevisio habe ich Karin Janssen auf der cebit kennen gelernt. Sie hat bereits viele interessante Positionen durchlaufen, doch ihre Vision der zukunftsfähigen Steuerberatung hat sie mit ihrer Einzelkanzlei verwirklicht. Stichwort Organisationsberatung.

Kanzlei

Mit Ihrer Kölner Einzelkanzlei janssenberatung.de konzentriert sich StBin Karin Janssen auf Organisationsberatung.

Person

Karin Janssen (*1976, xing) hätte den elterlichen Maschinenbau übernehmen, ihre Karriere in der Finanzverwaltung oder in einer größeren Kanzlei fortsetzen können, hat sich aber für ihren eigenen Weg entschieden.

Kanzlei

WORTE ZUR KANZLEI

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Kontakt

Karin Janssen (*1976, xing) hätte den elterlichen Maschinenbau übernehmen, ihre Karriere in der Finanzverwaltung oder in einer größeren Kanzlei fortsetzen können, hat sich aber für ihren eigenen Weg entschieden.

1. Warum sind Sie StB geworden?

Mein beruflicher Weg war überhaupt nicht vorgezeichnet. Eigentlich hätte ich den elterlichen Maschinenbaubetrieb übernehmen sollen. Grundlage dafür sollte eine kaufmännische Ausbildung sein, wofür die Bank oder ein betriebswirtschaftliches Studium in Frage kam. Die Finanzverwaltung ist es dann geworden mit dem Studium zur Diplom Finanzwirtin in Nordkirchen. Und dort bin ich dann meinen Weg gegangen. Ich war im Außendienst, hatte viel Kontakt zu Steuerberatern und habe hierdurch die unterschiedlichen Berater-Persönlichkeiten kennen gelernt. Wenn Sie ein gutes Gespann aus Unternehmer und Steuerberater vor sich haben, dann ist es eine Freude zu beobachten. Sie erleben eine gute Zusammenarbeit und wie strategisches Denken in Praxis umgesetzt wird – so wie ich das auch aus meinem Elternhaus kannte – und sie spüren die gegenseitige Wertschätzung, auf der die Zusammenarbeit beruht….. So ist der Wunsch entstanden, die Seiten zu wechseln. Das war zwar mit Trennungsschmerz verbunden, denn zwischenzeitlich hatte ich bei der OFD Rheinland eine interessante Stelle, aber es war schlussendlich die richtige Entscheidung. Nach dem Steuerberater-Examen habe ich bei einer größeren, interdisziplinären Kanzlei gearbeitet und 2008 – entgegen dem Trend zu größeren Einheiten – meine Einzelpraxis gegründet.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Einer der wesentlichen Merkmale ist, dass ich nicht nur das Unternehmen und seine Abläufe, sondern auch die Unternehmer, Mitarbeiter und auch Inhaber bestens kenne. Das liegt u.a. an der spezifischen Arbeitsweise. Ich berate nicht vom Schreibtisch aus, sondern bin viel in den Unternehmen vor Ort. Mein aktuelles Kernthema ist die Digitalisierung. Dabei geht es nicht allein darum, vom Papier weg zu kommen, sondern herauszufinden, wie das Unternehmen in fünf oder zehn Jahren arbeiten und sich im Wettbewerb behaupten will. Ich bin mit meiner Kanzlei dank diverser Schnittstellen nicht nur digital anschlussfähig, sondern gehe mit meinem Mandanten die nächsten Schritte Richtung digitale Transformation: Gemeinsam definieren wir Aufgabenbereiche neu, automatisieren weitestgehend und lernen Mitarbeiter an. Wenn interdisziplinäre Kanzleien sich im Wesentlichen darauf berufen, das gesamte Beratungsportfolio aus einer Hand anzubieten, erleben meine Mandanten persönliche Nähe und Agilität. Die Breite des Beratungsangebotes stelle ich für meine Mandanten in jedem Einzelfall über ausgewiesene und bewährte Fachexperten aus meinem Netzwerk sicher.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

In erster Linie aus persönlichen Gesprächen – mit Unternehmern, auf gesellschaftlichen Anlässen und selbstverständlich mit Berufskollegen.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Langfristig beschäftigt mich, wie sich unser Berufsstand entwickelt und wie ich es schaffen kann, in einer immer schnelllebigeren Zeit weiterhin zu den „first movern“ zu gehören. Geschäftlich beschäftigt mich die Frage, wie ich die richtigen Beraterpersönlichkeiten und Fachkräfte gewinnen kann.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Die fachliche Qualifikation ist Voraussetzung. Muss man das überhaupt erwähnen? Gleichzeitig hat sich unser Berufsstand zunehmend auf zugespitztes Expertenwissen hin entwickelt. Ich beobachte dabei, dass diese fachlichen Leuchttürme zwar das Detailproblem lösen können, aber nicht unbedingt nachhaltig als „der Vertrauensberater“ und erster Ansprechpartner von Seiten des Mandanten wahrgenommen werden. Was ich mir wünsche, sind gute Generalisten mit Methodenkompetenz, die sich an der Seite des Mandanten beweisen können und Verständnis für unternehmerische Abläufe mitbringen. Ich bewerte Lebenserfahrung daher vielleicht höher als einen geradlinigen Lebenslauf und erwarte keine Anwesenheit von 8 bis 17 Uhr im Büro. Meine Wunschkandidaten sind fachlich kompetent, sensibel für unternehmerische Entwicklungen und menschlich integer, um den Mut zur – manchmal leider notwendigen – Unbequemlichkeit aufzubringen. Die Mandanten wollen keinen Berater mehr, der nur nachträglich ihre Steuern verwaltet – darauf müssen wir uns vorbereiten, sonst haben wir als Berufsstand keine Chance.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Ich bin eine Beraternatur. Umsatteln auf eine gewerbliche Tätigkeit kommt für mich daher nicht in Frage. Aber das ist ja nur die eine Seite in diesem Szenario. Die andere Seite – Gewerbliche verdrängen Kanzleiumsätze – da würde sich für viele Kanzleien existientiell einiges verändern. Das sogenannte Brot- und Buttergeschäft der Kanzleien wird neu verteilt, also z.B. FiBu, Lohn, Jahresabschlusserstellung und Deklaration. Aber unseren Beruf macht doch mehr aus. Es geht darum, hochwertige Beratungs- und Gestaltungsleistungen zu erbringen und in dem strategischen unternehmerischen Planungsvorgang als alternativer Mitdenker integriert zu sein. Das ist jedenfalls mein Modell und da mache ich mir wenig Sorgen.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Ich war immer auf Veränderung und Weiterentwicklung aus. Ich bin stolz darauf, dass ich mir diese Eigenschaft erhalten habe und in der Vergangenheit Positionen – an denen Andere vielleicht zu sich sagen „Jetzt hast Du es geschafft“ – hinter mir gelassen zu haben, um eine neue individuelle Nische zu finden. Und mein Ansporn, in der Dienstleistungsqualität immer noch eine Schippe drauf zu legen, hat mich auch nicht verlassen.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Diese Frage passt gar nicht zu mir. Ich bin immer offensiv, transparent und finde den Dialog mit Kollegen. Hierbei habe ich keine Sorge vor Einsichtnahme in meine Planungen und Vorgehensweisen durch den Kollegen als Wettbewerber. Beratung ist personenabhängig. Jeder Mensch interpretiert Ideen und sein berufliches Selbstverständnis anders. Ausspionieren ist nicht der Weg zu mehr Erkenntnis.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Herausforderungen spornen mich an und ich bin Perfektionistin. Da ist das Risiko groß, dass sich die Lebensbalance zu sehr Richtung Berufsleben verschiebt. Daher wünsche ich mir manchmal mehr Gelassenheit.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Aufbruch!