• 25. Oktober 2017

10 Fragen an … StB Reinhard Stemmer

10 Fragen an … StB Reinhard Stemmer

10 Fragen an … StB Reinhard Stemmer 1024 683 Steuerköpfe

Von der studentischen Einzelkanzlei zur interdisziplinären Gruppe mit fünf Niederlassungen – StB Reinhard Stemmer hat eine Kanzlei geschaffen, in der Mitarbeiter mehr verdienen können als Partner und in der die gemeinsame Werte eine große Rolle spielen.

Kanzlei

Die beratergruppe:Leistungen PartGmbH hat ihre Keimzelle in Karlsruhe. Dort wurde der Grundstein gelegt für eine Beratungsarbeit über die klassische Steuerberatung hinaus. Inzwischen gehören Standorte in Dippach, Gießen, Hungen und Nürnberg dazu.

Person

StB Reinhard Stemmer (*1953, xing) hat in der Finanzverwaltung gelernt, aber schon als Student eine eigene Kanzlei betrieben. Morgens geht er gern im Wald spazieren und wenn er in einer Niederlassung ist, geht er oft die ersten zwei Stunden durch die Räume und begrüßt die Kollegen. Ein eigenes Büro hat er nicht mehr.

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Kanzlei

Die beratergruppe:Leistungen PartGmbH hat ihre Keimzelle in Karlsruhe. Dort wurde der Grundstein gelegt für eine Beratungsarbeit über die klassische Steuerberatung hinaus. Inzwischen gehören Standorte in Dippach, Gießen, Hungen und Nürnberg dazu.

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Kontakt

Mario Tutas (xing) berät Kollegen und will sie als Mentor zum Kanzleierfolg führen. Von seiner Mailsperre (siehe unten) und seiner Teilnahme am Programm „Great Place to Work“ war auf dieser Seite bereits zu lesen.

Person

StB Reinhard Stemmer (*1953, xing) hat in der Finanzverwaltung gelernt, aber schon als Student eine eigene Kanzlei betrieben. Morgens geht er gern im Wald spazieren und wenn er in einer Niederlassung ist, geht er oft die ersten zwei Stunden durch die Räume und begrüßt die Kollegen. Ein eigenes Büro hat er nicht mehr.

Wenn Sie in dieser charmanten Serie mitmachen möchten, dann genügt ein Klick …

1. Warum sind Sie StB geworden?

Bis vor 14 Jahren hätte ich noch Zufall gesagt. Heute weiß ich es besser: Es war Berufung. Meine Eltern sind nach dem zweiten Weltkrieg aus Jugoslawien eingewandert. Wir waren arm und der Zugang zu höherer Bildung schien verbaut. 1970 machte die Höhere Handelsschule eine Steuerfachklasse auf, die auf die Inspektorenlaufbahn am Finanzamt vorbereitete, die wiederum den Hochschulzugang bedeutete. Den Weg bin ich dann nach der Mittelschule auch gegangen. Im August 1980 machte mich ein Hochschullehrer auf die letzten Prüfungen zum Steuerbevollmächtigten aufmerksam, die habe ich dann ohne weitere Vorbereitung während der Arbeit an meinem Diplom bestanden. Meine erste Kanzlei eröffnete ich noch als Student. Prompt hatte ich auch ein Verfahren mit der Kammer: Das Kanzleischild an der Tür meiner Studentenbude war zu groß. Drei Jahre später hatte ich zehn Angestellte und eine halbe Million Mark Umsatz. Ich habe selber nie produziert, sondern beraten und verkauft. Die Pendelordner habe ich selber gern ausgefahren und so im persönlichen Umgang sehr stabile und ertragreiche Beziehungen aufgebaut. Hinter jeder Zahl steht der Mensch, das hatte ich früh begriffen und das begeistert mich bis heute.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Unsere Werte werden gelebt. Unser Leistungsportfolio erlaubt eine Begleitung über den gesamten Lebenszyklus eines Unternehmens. Ein Aspekt davon sind die Steuern, die anderen: Personal und Lohn, Gestaltungsberatung, Datenschutz, Wirtschaftsprüfung, Immobilien und Recht. Jeder Mandant hat einen festen Ansprechpartner, der ihn gegebenenfalls zu den weiteren Experten begleitet. Unsere Mandanten zahlen ein Fixhonorar für Beratungsleistungen und erleben keine Preisüberraschungen. Und unzufriedene Mandanten brauchen gar nichts zahlen. Ziehen sie diese Option ein zweites Mal, sind sie allerdings auch nicht mehr unsere Mandanten.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Im Wald. Frühmorgens. Meine Frau und ich leben in einem Jagdhaus im Kraichgau mitten im Wald. Bis zur nächsten Siedlung sind es zweieinhalb Kilometer. Jeden Morgen wandere ich durch den Wald. Allein und in Stille. Der Alltag tritt zurück und ich tanke Kraft.

Die Natur bietet viel Inspiration. Gerade in Zeiten der Digitalisierung, wo alles immer und überall verfügbar ist, kann uns die Natur Orientierung geben. Der Lauf der Jahreszeiten etwa spiegelt auch die Arbeitslast in der Kanzlei: Im Frühjahr wird mit viel Arbeit viel Neues begonnen, die warme Jahreszeit ist die Zeit des Wachstums, im Herbst wird – auch mit viel Arbeit – die Ernte eingefahren und im Winter haben wir Zeit, unsere Erfolge zu feiern. Ich halte solche Rhythmen für wichtig, um unserer zunehmend abstrakteren Arbeit ein natürliches, menschengerechtes Maß zurückzugeben.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Die Einbeziehung unseres – inzwischen in die Geschäftsleitung integrierten – Coaches Frank Knapstein in die Persönlichkeitsentwicklung aller Mitarbeiter und Partner. Wir wollen Begeisterung für die Zukunft entwickeln. Vergangenes Jahr hat jeder Mitarbeiter sieben Tage Persönlichkeitstraining bekommen. Dieses Jahr steht unser Coach für alle in der Kanzlei persönlich abrufbereit. Ziel ist die Steigerung der individuellen Mitarbeiterzufriedenheit im Einklang mit unseren Werten.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Nach Gefühl. Arbeitszeugnisse fordern wir selbstverständlich an, aber ich weiß auch, dass sie halt geschrieben werden müssen. Wir haben zwar ein mehrstufiges System, aber mit einem eingebauten Vetorecht für das Bauchgefühl. Im ersten Gespräch trifft der Bewerber zwei Menschen aus unserer Kanzlei, Partner oder auch Mitarbeiter. Thematisch geht es dann um gegenseitige Wünsche und Erwartungen, mit hoffentlich fast gleich großen Redeanteilen des Bewerbers und unserer Vertreter. Geld steht zunächst nicht auf der Tagesordnung. Nach einer Bedenkzeit erwarten wir das Signal des Interessenten. Wir melden uns nicht, er oder sie muss es tun. Im zweiten Gespräch werden dann gegebenenfalls weitere Details wie Entlohnung besprochen, mit zwei anderen Vertretern unserer Kanzlei. Jeder unserer vier Vertreter kann ein Veto einlegen, das nicht weiter begründet werden muss. Wir haben auch schon mal einen Bewerber aus Nürnberg am selben Abend nach Gießen bestellt, um Einsatzbereitschaft zu testen. Im Gegenzug laden wir meist ins Restaurant zum Gespräch und bieten einen angenehmen Rahmen. Dank unseres Entlohnungskonzeptes können wir jedem Interessenten Perspektiven bieten: Mitarbeiter mit viel Verantwortung können mehr verdienen als ein Partner und abgebende Kanzleiinhaber können als passive Partner, sozusagen als reine Aktionäre, im Berufsleben bleiben.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Dann freue ich mich. Ich warte im Grunde schon jeden Tag darauf. Meines Erachtens fällt der Schutzwall um unseren Beruf und um unsere Honorare eher früher als später – und ich erwarte mir gute Impulse davon. Sehen Sie, wir haben fünf Satellitenfirmen in der Umlaufbahn um unsere Beratergruppe Leistungen. Diese Firmen tragen zur Attraktivität unseres Marktauftritts und zur ganzheitlichen Betreuung unserer Mandanten bei. Diese vermeintlichen Randaspekte werden immer wichtiger. Unser Geschäftsfeld wird zukünftig noch offener sein und der Anteil der steuerlichen Standardarbeiten wird abnehmen. Aus handelsrechtlichen, steuerrechtlichen oder standesrechtlichen Gründen können wir aber diese Satelliten nicht in die Geschäftsleitung integrieren. Warum kann ich nicht einen Psychologen oder einen Yogalehrer in den Partnerkreis aufnehmen? Solche Einschränkungen behindern eine zukunftsorientierte Aufstellung.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Auf das, was jetzt da ist. Und auf die Art, wie es gewachsen ist. Nach dem Tod meiner ersten Frau stand ich am Scheideweg und nicht jeder hat mir eine erfolgreiche Kanzleifortführung zugetraut. Wenn ich zurückblicke, sehe ich meine Studentenbuden-Kanzlei. Und wenn ich zur Arbeit komme, sehe ich einen Kreis aus mittlerweile rund 100 vielschichtigen und interessanten Persönlichkeiten. Ich war nie ein typischer Steuerberater, sondern immer Unternehmer. Was jetzt da ist und wie es funktioniert – das bestätigt mich.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Das Wort spionieren passt nicht zu mir. Ich bevorzuge den offenen Austausch. Wobei ich – nebenbei gesagt – diesen selten erlebt habe in 30 Berufsjahren. Was mich interessiert an anderen Kanzleien: Wie wird dort mit den Menschen umgegangen? Einfach um einen Vergleich zu haben.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Das Musische fehlt mir, obwohl ich es passiv zu genießen weiß. Ich würde also gern singen oder ein Instrument spielen können.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Gut. Der Strom an Ideen lässt nicht nach. Das Tun macht auch noch Spaß. Enttäuschungen bleiben nicht aus, aber ich kann heute gelassener damit umgehen. Wenn etwas schief läuft, dann ist es passiert und kein Haareraufen und kein Hadern ändert mehr was daran. Kommendes Jahr werde ich 65 und muss dann nach den Werten unserer Kanzlei bei meinen Partnern einen Antrag auf Weiterarbeit stellen. Mal sehen, was sie sagen.