• 21. April 2018

Das Verschwinden der Verwaltung auf dem Sage Summit – Interview mit CEO Stephen Kelly

Das Verschwinden der Verwaltung auf dem Sage Summit – Interview mit CEO Stephen Kelly

Das Verschwinden der Verwaltung auf dem Sage Summit – Interview mit CEO Stephen Kelly 1024 529 Steuerköpfe

Erst im vergangenen Jahr verschob Sage seine ERP-Anwendungen in die Cloud. Nun sollen sich die Effizienzsteigerungen materialisieren. Sage verspricht invisible admin – das Verschwinden der Verwaltungsarbeit. Auf dem Sage Summit in Hamburg machte CEO Stephen Kelly die Rechnung auf.

Sage hatte 3000 kleine und mittlere Unternehmen in elf Ländern nach dem Verwaltungsaufwand in Tagen befragt. Deutsche Mittelständler mit bis zu 250 Angestellten erreichten hier den Spitzenplatz: Nur 81 Tage oder 0,18 Prozent ihres gesamten Personalaufwands stecken diese Unternehmen in den Verwaltungsaufwand (Spanien 190 Tage, Frankreich 235 Tage und in Großbritannien sogar 292 Tage).

Doch bei den kleinen Kandidaten unter den deutschen KMU zeigt sich ein gegenteiliges Bild: deutsche Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Angestellten landeten auf dem hintersten Platz. Sie stecken bis zu neun Prozent ihres gesamten Personalaufwands in Verwaltungsarbeiten (kleine Unternehmen ein Prozent, Mittelständler 0,18 Prozent).

Quelle: Plum Consulting

🔎 Aufwand pro Feld

Invisible admin

Der Löwenanteil aller administrativen Aufgaben entfällt in Deutschland mit 23 Prozent auf die Buchhaltung. Auf der Bühne demonstrierten Christian Zöhrlaut (Director Products Central Europe) und Oliver Henrich (Vice President Product Engineering Central Europe) wie das nun besser gehen soll.

Christian Zöhrlaut, Director Products Central Europe (links), und Oliver Henrich, Vice President Product Engineering Central Europe

Zöhrlaut (links) fotografierte mit dem Handy seinen Bewirtungsbeleg und Henrich – am iPad das Backoffice mimend – kontrollierte Sekunden später den Beleg. Zöhrlaut erstellte am Handy eine Rechnung, Henrich beglich die frisch eingetrudelte Eingangsrechnung umgehens via Paypal.

„Seit etwa zehn Jahren stagniert die Produktivität in Deutschland“, sagt Stephen Kelly. Mit der Cloud soll nun zusätzlich Schwung in die Bude kommen: Prozesse werden verschlankt und beschleunigt, manuelle und doppelte Datenerfassung soll entfallen, alle Daten und Programme stehen lokal wie mobil bereit. Und wo dabei noch Luft nach oben ist, zeigt die Grafik rechts.

Quelle: Plum Consulting

🔎 Grad der Digitalisierung der Verwaltungsaufgaben

Interessant war daher auch, was Sage zur Zusammenarbeit mit dem Steuerberater zu verkünden hatte. Nämlich: gar nichts.

Doch 2014 war Sage Kooperationspartner von felix1, bevor ETL auf eigene Apps umsattelte – und damit Pionier der online-Steuerberatung.

Die Kooperation ist beendet und Sage konzentriert sich in Deutschland wieder auf seine Kernkunden: Unternehmen von klein bis groß.

Allerdings enthalten die Sage-Produkte standardmäßig den Datev-Export. Doch das ist eher dem deutschen Markt geschuldet, im Ausland holt Sage die Steuerberater mit in die Cloud – siehe das Interview mit Stephen Kelly unten.

Sage Business Cloud

Über die gesamte Produkpalette bietet Sage die Anwendungen nun als native cloud apps: Finanzen, Buchhaltung, Personalwesen, Lohnabrechnung und Enterprise Management.

Ältere, lokal installierte Apps wurden um eine online-Schnittstelle erweitert, sodass sie die neu für die Cloud entwickelten Features anzapfen können. Sage nennt diese Apps cloud-connected. So sollen die Investitionen der Kunden geschützt werden.

Der Cloud-Umstieg war ein bedeutender Schritt – auch für die externen Vertriebler, die gut 70 Prozent des Umsatzes reinbringen und deren Provisionsmodell mit umgestellt wurde.

Die Produkte wurden neu zusammengestellt und umbenannt. Denn: „Die Kunden suchen nach Services, nicht nach Produktnamen“, erklärte Christian Zöhrlaut, Director Products Central Europe bei Sage.

Smart Assistant: Pegg sagt „Hallo“

Und ein weiterer Service wurde integriert: Pegg der Chatbot für die Buchhaltung. Der smarte Assistent spricht nun auch Deutsch und ist via Skype ansprechbar. Der Bot hat alle Infos aus der Buchhaltung griffbereit und gibt diese heraus, wenn zum Beispiel nach Umsatz in diesem Monat oder nach offenen Rechnungen gefragt wird.

Sage Pegg

Integration

Die jetzt vorgestellte Sage Business Cloud ist vor allem eine Integrationsleistung. Sie bringt das Produktportfolio unter einen Hut und ist gleichzeitig dessen zukunftsfähige Infrastruktur.

Niederlassungen in 23, Kunden in 60 Ländern

13.500 Mitarbeiter insg.

2500 Entwickler

3 Mio. Kunden weltweit

£1,7 Mrd. Umsatz

davon 140 Mio. Euro in Deutschland

250.000 Kunden in Deutschland

Akquisitionen:

Compass.co – Maschinengestützte Auswertung der Daten von E-Händlern. intacct – Ein US-Anbieter cloudbasierter Buchhaltung und Finanzsoftware. Fairsail –Britisches Softwarehaus fürs Personalmangement

Der Berater von heute ist ein virtueller CFO

Stephen Kelly, Sage CEO, im Interview

Stephen Kelly, Sage CEO

Sie haben im vergangenen Jahr auf Cloud-Software umgestellt. Welche Länder sind schneller umgestiegen, welche langsamer?

Am schnellsten sind die USA. Mehr als die Hälfte unserer Interessenten sucht inzwischen gezielt nach Cloud-Lösungen für Buchhaltung und Personalwirtschaft. Großbritannien ist auch ziemlich schnell. Und auch in Deutschland sehen wir, dass das Tempo anzieht.

Welche Faktoren begünstigen einen schnelleren Umstieg auf die Cloud?

Was die Kunden schätzen, ist die Flexibilität, die ihnen die Cloud ermöglicht, der hohe Funktionsumfang und – interessanterweise – die erhöhte Datensicherheit. Die Sage Business Cloud ist derzeit die einzige Cloud-Management-Plattform, mit der Sie Ihr gesamtes Unternehmen führen und alles steuern können – von den Mitarbeitern bis zum Geld.

Spielt nationale Gesetzgebung eine Rolle in diesem Rennen?

Ja, die spielt eine Rolle, aber nicht die entscheidende. Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass unsere Produkte immer zu 100 Prozent compliant sind.

Wenn Sie – zum Vorteil von Sage – etwas am deutschen Markt ändern könnten, was wäre das?

Wenn der fantastische, deutsche Mittelstand noch mehr Zuversicht und Vertrauen in die Datensicherheit und das Daten-Management in der Cloud hätte. Als ich vor drei Jahren in Deutschland war, waren diese Bedenken noch größer. Heute sind sie kleiner, weil die Menschen privat gute Erfahrungen mit der Cloud machen und diese Einstellung sich in das Geschäftsleben überträgt.

Sie setzen auf der Salesforce-Plattform auf, die ja mit Einstein auch eine künstliche Intelligenz anbietet. Können Sie sehen, wozu Ihre Kunden diese einsetzen?

Wir nutzen Einstein, um unseren Buchhaltungskunden interaktive, Echtzeit-Dashboards und -Scorecards bereitstellen zu können. Wir sehen also, wie nicht nur die Möglichkeiten der Cloud, sondern auch die der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens unsere Kunden ermächtigt, die Welt von morgen zu erschaffen – und das ist eine Welt mit unsichtbarer Verwaltung (invisible admin).

Hat Pegg neue Tricks gelernt?

Pegg wird jeden Tag smarter und hat hunderttausende Kunden weltweit. Ich freue mich sehr, dass Pegg jetzt auch Deutsch spricht. Pegg ist auch in unseren Cloud-connected-Lösungen wie zum Beispiel – der in Deutschland sehr verbreiteten – Sage 50 Cloud enthalten und erlaubt eine umgangssprachliche Konversation, sodass man durch smart assistants mit seiner Buchhaltungs-Engine wie mit einem Freund plaudern kann.

Welche Auswirkungen erwarten Sie durch diesen Technologieschub?

Wir haben viel geforscht und unsere Daten zeigen, dass die Unternehmen in Deutschland pro Jahr etwa 81 Tage für Verwaltung verschwenden. Unsere deutschen Kunden schauen, wie sie durch Automation ihre Geschäftsabläufe automatisieren können. Das wird die 81 Tages verringern und Zeit frei machen, die sie für ihr Unternehmen aufwenden können.

Und wenn die Unternehmen ihre internen Abläufe optimiert haben, dann wird die zweite Welle ihre demand- und supply-chain erfassen. Wir stehen an einem Wendepunkt und dem Beginn einer seismischen Verschiebung durch den Einsatz von Technologie: Sie wird es den deutschen Unternehmen ermöglichen, die Produktivität zu erhöhen und einen Teil der mit Verwaltung verschwendeten Zeit zurückzugewinnen. Es sind aufregende Zeiten!

Die zweite Welle wird die supply- und demand-chain erfassen.