• 6. Oktober 2018

10 Fragen an … StB Tobias Weingart

10 Fragen an … StB Tobias Weingart

10 Fragen an … StB Tobias Weingart 1024 621 Steuerköpfe

Endlich sagt es mal jemand: „Ich finde das Steuerrecht sehr unterhaltsam.“ StB Tobias Weingart kommt aus dem Handwerk und vielleicht macht ihn das auch so optimistisch, wenn er an die Zukunft seiner Kanzlei denkt.

Zur Person

Tobias Weingart hatte zunächst Konditor gelernt. Die Steuerberatung findet er aber noch gehaltvoller. Er wohnt nahe Dortmund und arbeitet in Gelsenkirchen. Das birgt Konfliktstoff. Bislang hat er sich mit dem Satz „Ich freue mich, wenn es allen Revier-Vereinen gut geht“ aber aus der Bredouille halten können.

Zur Kanzlei

Zwei Berater (Tobias Weingart und Joachim Herden), sechs Mitarbeiter und neuerdings noch ein Azubi arbeiten in der Kanzlei im Gelsenkirchener Stadtteil Buer. Kanzleiwebsite

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1. Warum sind Sie StB geworden?

Nach der Schule habe ich zuerst eine Ausbildung um Konditor gemacht. Diese habe ich auch erfolgreich abgeschlossen. Allerdings merkte ich, dass es in diesem Beruf so gut wie gar keine Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Betriebswirtschaft hat mich damals schon sehr interessiert. Mit 23 Jahren hab ich mich noch einmal entschieden, eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten zu machen. Der Plan war hier, durch das Rechnungswesen in das „betriebswirtschaftliche Herz“ des Unternehmens zu schauen. Die Ausbildung hat mir sehr viel Freude bereitet. Während der Ausbildung habe ich sehr schnell persönlichen Kontakt zu Mandanten aufbauen können. Es wurde mir schnell klar, dass ich auch Steuerberater werden möchte.
Steuerberater bin ich geworden weil:
– ich schon immer ein Unternehmen führen wollte
– ich das Steuerrecht sehr unterhaltsam finde
– ich Betriebswirtschaft seht interessant finde
– ich neugierig auf die vielen Menschen bin, die mir in der Regel Dinge anvertrauen, die sie noch nicht einmal ihren Ehepartner anvertrauen
– ich Menschen beraten kann, am liebsten im unternehmerischen Bereich

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Unsere Mandanten suchen das persönliche Gespräch. Und dafür stehen wir unsere Mandanten als „Sparrings-Partner“zur Seite. Unsere Unternehmensmandanten möchten sich auf mal auf Augenhöhe austauschen über Themen die sie nicht mit Mitarbeitern oder innerhalb der Familie besprechen möchten. Und dafür stehen wir. Wir suchen die persönliche Betreuung. Auch in Zeiten der Digitalisierung.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

In meinem Garten. Aber auch in der typischen Literatur und durch den Ausstausch mit Berufskollegen.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Wir haben uns entschieden, das Geschäftsfeld „Lohn/Baulohn“ auszubauen. In diesen Bereich möchten wir in den nächsten zwei Jahren signifikant wachsen. Die grundlegenden Entscheidungen sind schon getroffen. Nun geht es an das „Feintuning“ und die Umsetzung. Hier geht einiges an „Hirnschmalz“ drauf, auch in meiner Freizeit.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Der letzte Mitarbeiter, den wir eingestellt haben, ist unser jetziger Auszubildender. Wir haben ihn ausgewählt, da er sich von der Hauptschule bis auf das Gymnasium mit anschließenden Studium hochgearbeitet hat. Das ist ein sehr bemerkenswerter Werdegang und bietet jede Menge Entwicklungspotenzial.

Grundvoraussetzung für den Steuerfachangestellten ist natürlich die fachliche Kompetenz. Da der Mandantenkontakt sehr wichtig ist, spielt auch der mögliche „Nasen-Faktor“ eine bestimmende Rolle

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Ich richte mich darauf ein, dass es demnächst einen riesen Bedarf für die „Reparatur-Beratung“ gibt 😉

Buchhaltungsbüros und zunehmend die zahlreichen Internet-Services bieten eine Teilmenge der klassischen StB-Leistungen. Und solange es um unkomplizierte Fälle geht, reicht das ja oft aus. Aber sobald Probleme kommen, können im Grunde nur noch Steuerberater weiterhelfen. Ich vermute, wir können uns darauf einstellen, dass künftig viele Mandanten mit einer verfahrenen Situation auf der Matte stehen und wir die Eisen aus dem Feuer holen müssen. Und das müssen nicht automatisch schlechte Mandate sein.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

1.) Die Entscheidung noch mal eine Ausbildung als Steuerfachangestellter zu machen. Und das als Konditorgeselle.
2.) Als Steuerberater den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt zu haben.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Ich tausche mich öfter mit Kolleginnen und Kollegen aus. Häufig kommen auch eher kritische Themen auf den Tisch und es werden mögliche Lösungswege durchdacht/entwickelt. Dieser Austausch macht mir sehr viel Spass und ich lerne jedes mal etwas Neues hinzu.

Mich interessieren besonders die einzelnen Leistungsprozesse für spezielle Beratungsanlässe wie z.B. eine Umwandlung. Bei einen ungestraften Blick, würde ich mir diese besonderen Beratungsprozesse anschauen.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Abends lange wach bleiben können ohne morgens müde zu sein. Der Rest ist Übungssache.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Ausgeruht und ausgeschlafen. Ich habe grad Urlaub. Und das was unseren Berufsstand angeht, sehr optimistisch.

Die Gründe für meinen Optimismus: Das Finanzamt lagert immer mehr Arbeiten an den Berufsstand aus. Jetzt geht es oft darum, die Daten ordentlich zu strukturieren, damit die Erklärungen schön automatisiert weiterverarbeitet werden können. Diese Arbeit der Datenpflege, -überwachung und -strukturierung wird uns als Steuerberater verstärkt beschäftigen – denn dem Finanzamt fehlt inzwischen einfach die Manpower dazu.

Auch Technologien werden uns nicht ersetzen können. Wir sind keine Maschinen, sondern Menschen, mit denen man sprechen kann. Und wie viele Kollegen stelle ich fest, dass gerade Unternehmensmandanten dieses Gespräch auch suchen und brauchen. Wenn ich durch die Stadt fahre, fallen mir ab und zu Reisebüros auf. Deren Angebot ist inzwischen komplett im Internet zu finden, trotzdem gibt es noch viele davon. Der einzige Vorteil von Reisebüros ist die persönliche Beratung – das ist in der Steuerberatung ganz ähnlich.