• 18. Februar 2019

10 Fragen an … StBin Alexandra Klemann

10 Fragen an … StBin Alexandra Klemann

10 Fragen an … StBin Alexandra Klemann 1024 597 Steuerköpfe

Erst eigene Kanzlei, dann fünf Jahre die Geschicke des Softwarehauses hmd mitgestaltet, jetzt auf der Suche nach beruflicher Veränderung: StBin Alexandra Klemann

Zur Person

StBin Alexandra Klemann (*1973) stammt aus bayrisch Schwaben und ist zweifache Mutter und bereits Omi.

Neue Herausforderungen im Steuerrecht …

soll es geben für StBin Alexandra Klemann. Sie hatte zunächst eine kleine Kanzlei gekauft und ausgebaut, um dann zum StB-Softwarehaus hmd zu wechseln. Jetzt soll es wieder in die Praxis gehen. Tipps und Hinweise zu offenen Führungspositionen erwünscht: xing

Werbung

Damals in meiner ersten Steuerrechtsvorlesung an der Fachhochschule habe ich gespürt: „Das ist es!“ Und diese Faszination Steuerrecht hat mich bis heute nicht losgelassen. Mathe fiel mir immer leicht. Das Steuerrecht spricht mich ähnlich an. Es entfaltet im Zusammenwirken der Gesetze eine ähnliche, schön und klare Logik. Für fast jedes Problem steht die Lösung schon im Gesetz. Man braucht es nur nachzulesen.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Vor meiner Zeit bei hmd hatte ich eine kleine Kanzlei, das ist jetzt schon mehr als fünf Jahre her. Daher kann ich nur aus der Erinnerung berichten, dass Akquise nie ein Problem war. Als Kanzlei mit KMU-Mandanten riss der Nachschub nicht ab. Gerade die kleineren Unternehmer suchen eine Kanzlei mit persönlichem Ansprechpartner, die möchten einfach auf Augenhöhe betreut werden.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Den Input hole ich mir bei Gesprächen mit Kollegen, aus der Fach- und Unternehmensliteratur. Digitalisierung und Personalführung sind zum Beispiel Themen, zu denen ich mich laufend fortbilde oder schlau lese. Ich lebe meinen Beruf, so kann ich mir Inspiration auch aus dem Alltag holen. Was ich umsetzen kann und will, wird mir dann immer beim Zähneputzen klar – da kommen mir die besten Ideen.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Das sind zwei Themen: Wie die ganze Branche beschäftigt mich selbstverständlich die Digitalisierung. Für mich ist dieses Thema positiv besetzt. Ich denke da an papierarme Büros, schnelle und unkomplizierte Kommunikation mit Mandanten, die Ablösung von Arbeitsspitzen durch eine gleichmäßige Verteilung der Arbeit aufs Jahr und endlich keine Reihen von Ordnern auf Fensterbänken und Fußböden mehr, wenn man einen Abschluss erstellt.

Die Herausforderungen dabei sind die Kontrolle der eingelesen Daten und die Datensicherung. Wenn so viele Informationen automatisch und per Schnittstelle kommen, steigt die Bedeutung des Übersicht-Behaltens oder – förmlicher ausgedrückt – die Bedeutung des internen Kontrollsystems. Die Arbeit ändert sich durch die Digitalisierung, aber eines nicht: Unser Sachverstand bleibt gefordert und bleibt weiterhin erfolgsentscheidend.

Die andere Herausforderung ist mein Jobwechsel. Nach fünf Jahren bei hmd zieht es mich wieder in die Praxis. Bei hmd habe ich es besonders geliebt, den Berufsstand mit Software zusammenzubringen. Noch stärker als bisher – siehe Digitalisierung – liegt in der Prozessbeherrschung der Unterschied zwischen einer erfolgreichen/zukunftssicheren und einer erfolglosen/gefährdeten Kanzlei. Diese Fähigkeit möchte ich gern mit meiner anderen Leidenschaft vereinen: der Ausbildung des Nachwuchses. Kürzlich habe ich eine kleine Lehrtätigkeit für die Fachhochschule Augsburg angenommen. Für das Gros meiner Arbeitszeit suche ich eine leitende Stelle im Raum München/Oberbayern, wo ich meine genannten Interessengebiete mit Leben füllen kann.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Nervosität im Vorstellungsgespräch habe ich stets als Zeichen dafür gewertet, dass dem Bewerber tatsächlich etwas an der Stelle liegt. Spüren möchte ich bei den Aspiranten: Begeisterung für Steuern, gute Umgangsformen und Offenheit.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Ich biete Steuerberatung mit hausgemachten Spätzle auf der Almhüttn. Beratung und Hausmannskost zusammen – das gibt’s noch nicht.

Im Ernst: Selbstverständlich sehe ich vor allem die Bestrebungen der EU, unser Berufsrecht zu liberalisieren. Das kann dazu führen, dass Mandanten bei der Auswahl ihres steuerlichen Beraters dessen Kompetenz schlechter einschätzen können. Um die Berater in Deutschland mache ich mir weniger Sorgen, Kompetenz wird sich weiterhin durchsetzen.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Als allein erziehende Mutter mit zwei Kindern auf Anhieb die StB-Prüfung bestanden zu haben. Und auf meinen Kanzleiverkauf. Das klingt vielleicht zunächst widersinnig, zumal ich meine Kanzlei aufgebaut und geliebt habe. Aber ich hatte damals erkannt, dass ich als Einzelkanzlei nicht bis zur Rente hätte weitermachen können. Daher will ich auch heute nicht einfach wieder eine Kanzlei aufmachen, sondern meine Stärken in einem Kollegium von Berufsträgern einbringen.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Spionieren brauche ich nicht, aufgrund meiner Tätigkeit habe ich viel Kontakt zu anderen Kanzleien. Ich habe in meinem beruflichen Umfeld überwiegend Offenheit und Interesse an Austausch erlebt. Vielleicht war das Glückssache, vielleicht hat sich da in den Kollegen einfach nur meine eigene Einstellung gespiegelt.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Musizieren und zeichnen können.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Neugierig bin ich. Gespannt, auf das, was kommt.