• 24. März 2019

10 Fragen an … Katrin Hiller

10 Fragen an … Katrin Hiller

10 Fragen an … Katrin Hiller 1024 569 Steuerköpfe

Als Steuerberaterin hat Dr. Katrin Hiller zehn Jahre lang bei PwC gearbeitet. Ihr Interesse wendete sich dabei von der Compliance ab und der Identifikation zu – der Identifikation der Menschen mit dem Sinn ihrer Arbeit: Wie nutzt sie den Kanzleien und den Menschen? Wie lässt sie sich herstellen? Katrin Hiller meint: Die Antwort liegt im Warum. Nach einer Familienzeit hilft sie jetzt StB-Kollegen, das eigene Warum – wieder – zu entdecken und für sich arbeiten zu lassen.

Zur Person

Dr. Katrin Hiller (*1975) stammt aus Schleswig-Holstein und lebt heute in Stuttgart. In Rostock, Den Haag und Bordeaux studiert sie BWL. An der Universität Mannheim arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Nach dem StB-Examen 2007 arbeitet sie bei PwC – bis Sie eine Familienzeit ein- und den StB-Titel ablegt.

Zur Kanzlei …

… kommt Katrin Hiller (xing) heute als Beraterin (Homepage) – nicht in Steuerdingen, sondern mit Mitarbeiter-Themen. Wobei ihr Ansatz bei den Kanzleiinhabern beginnt, denen sie hilft, die eigenen Vorstellungen mit der Kanzlei, Mitarbeiterschaft und Mandantschaft überein zu bringen.

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1. Warum sind Sie StB geworden?

Ich würde gerne behaupten, dass es nach dem Abitur mein dringlichster Wunsch gewesen ist, Steuerberater zu werden. Vielmehr war es aber so, dass ich zu dem Zeitpunkt so gar keine Vorstellung von meiner beruflichen Zukunft hatte. Allerdings war ich gut in Mathe und im Lernen generell, hatte einen guten Sinn für Ordnung und Struktur, außerdem war mein Vater Steuerberater. Da schien es eine gute Idee, erst einmal BWL zu studieren. Während des Studiums hat sich dann aber auch keine bessere Alternative ergeben, so dass ich den Weg zur Steuerberatung weiter verfolgt habe.

Als Steuerberaterin war ich fast zehn Jahre bei PwC tätig – sowohl im Compliance-Bereich als auch im Projektgeschäft. Besonders faszinierend fand ich, welches Wissen in dem Unternehmen vorhanden ist, das bei entsprechenden Mandantenanfragen in kürzester Zeit sowohl innerhalb der deutschen Gesellschaft als auch bei den Kollegen ausländischer Netzwerkgesellschaften abgerufen und dem Mandanten zur Verfügung gestellt werden kann.

Die Mitarbeiterfluktuation ist bei PwC – wie bei anderen Big4-Gesellschaften auch – relativ hoch. Mit der Zeit habe ich mir immer häufiger die Fragen gestellt: Was braucht es eigentlich, damit Menschen bei der Arbeit zufrieden sind? Was können die Unternehmen dazu beitragen? Dabei konnte ich lange Zeit nicht so richtig greifen, was mir fehlt.

Dann hat im Jahr 2014 die US-amerikanische PwC-Netzwerkgesellschaft in dem Unternehmen, die Diskussion über den PwC-Purpose, also den Unternehmenszweck, angestoßen. Da habe ich gemerkt, dass das genau das ist, was mir bisher bei der Arbeit gefehlt: darüber zu sprechen, was eigentlich der Sinn und Zweck meiner Tätigkeit ist und warum wir alle in der Steuerberatung tätig sind.

Irgendwann haben mich die Mitarbeiter-Themen dann mehr gefesselt als das fachliche Arbeiten. Ich war für zwei Jahre neben meiner fachlichen Arbeit als Betriebsrätin tätig, habe dann bei PwC gekündigt und habe mich um meine Familie gekümmert. Mir war damals klar, dass ein beruflicher Wiedereinstieg weniger mit Steuer-, als mit Mitarbeiter-Themen zu tun haben wird. Tatsächlich hat er aber beide Themen verbunden: Ich helfe KanzleiinhaberInnen und deren Angestellten, den Unternehmenszweck herauszuarbeiten und ihn zu nutzen, um die eigene Identifikation mit der Kanzlei zu steigern und die passenden Mandanten und Mitarbeiter anzuziehen.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Meines Erachtens möchte jede/jeder von uns im Grunde seines Herzens eine Tätigkeit ausüben, die sie/er als sinnvoll empfindet. Damit die Menschen die Tätigkeit in einem Unternehmen als sinnvoll empfinden, muss der Sinn und Zweck, den das Unternehmen verfolgt, zu dem passen, was die/der Einzelne für sinnvoll hält.

Allerdings ist es oft schwierig, dass passende Unternehmen zu finden. Denn vielen Unternehmen kann man von außen nicht ansehen, welchen Unternehmenszweck sie verfolgen, und auch im Inneren ist oftmals nicht klar, warum die Mitarbeiter tätig sind und was sie mit ihrer Tätigkeiten bewirken wollen bzw. sollen.

Wie finde ich also als Bewerber das Unternehmen, das wirklich zu mir passt? Wie finde ich als Unternehmen die Mitarbeiter, die wirklich zu meinem Unternehmen passen und es engagiert gemeinsam mit mir voranbringen wollen?

Der Schlüssel dazu liegt meines Erachtens in der klaren Kommunikation des Unternehmenszwecks, also des Warum des Unternehmens, nach innen und nach außen. Dadurch können potenzielle Mitarbeiter bereits von außen erkennen, ob sie sich dem Unternehmenszweck verbunden fühlen und tatsächlich zu diesem Unternehmen passen.

Seit letztem Jahr unterstütze ich die InhaberInnen von Steuerkanzleien, sich im Rahmen eines 1:1-Gesprächsprozesses (wieder) darüber klar werden, warum sie ihr Unternehmen gegründet haben und was sie bei ihren Mandanten bewirken wollen, damit sie diesen Unternehmenszweck nach innen und außen kommunizieren können und auf diese Weise die Mitarbeiter anziehen, die zu der Steuerkanzlei passen.

Dies ist meines Erachtens auch ein Beitrag zu mehr Ordnung und Struktur, denn ich finde die Vorstellung beglückend, dass in jeder Steuerkanzlei nur die Menschen arbeiten, die wirklich zu dieser Steuerkanzlei passen und die ihre Tätigkeit in genau dieser Steuerkanzlei als zutiefst sinnvoll empfinden.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Sehr inspirierend finde ich das Buch von Simon Sinek Frag immer erst warum. In diesem Buch zeigt Simon Sinek auf, dass zwar viele Unternehmen darüber sprechen, was sie tun und wie sie tätig sind, dass Menschen sich aber nur dann emotional angesprochen fühlen, wenn ein Unternehmen auch kommuniziert, warum es tut, was tut. Simon Sineks Vorträge zu diesem Thema sehe ich mir immer wieder gerne an.

Zudem ist Facebook ein – wie es scheint unerschöpflicher – Quell immer neuer Impulse und Inspiration.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Ich bin zur Zeit damit beschäftigt, sichtbar zu werden und Vertrauen aufzubauen, dass ich bei Mitarbeiter-Themen unterstützen kann.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Zukünftige Mitarbeiter werde ich – neben ihren fachlichen Fähigkeiten – danach auswählen, ob sie mein Warum teilen und daher die Tätigkeit in meinem Unternehmen als sinnvoll erachten. Das Warum meines Unternehmens besteht darin, dazu beizutragen, dass Menschen den richtigen Platz für sich finden und dass sich das Zusammenwirken und Zusammenarbeiten von Menschen in Unternehmen so verbessert, dass die Menschen ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit empfinden und dieses Gefühl mit in ihre Familien nehmen können. Ich werde Mitarbeiter einstellen, die dieses Warum teilen und mit mir gemeinsam verwirklichen wollen.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Ein Grund mehr für KanzleiinhaberInnen sich darüber klar zu werden, warum sie ihre Steuerkanzlei gegründet haben und was sie damit bei ihren Mandanten eigentlich bewirken wollen. Denn das Warum lässt sich hervorragend als Beurteilungsmaßstab bei Entscheidungen verwenden. Welche weiteren Leistungen sollte eine Steuerkanzlei anbieten? Natürlich genau solche Leistungen, die dem Unternehmenszweck dienen.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Stolz bin ich momentan vor allem darauf, dass ich dabei bin, mir mein berufliches Umfeld so zu gestalten, dass ich mein Warum verfolgen, aber auch meine beruflichen Erfahrungen und langjährigen Kenntnisse der Steuerbranche mit einbringen kann.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Wie bei jedem Menschen interessiert mich auch bei KanzleiinhaberInnen, warum sie eigentlich tun, was sie tun, und was sie antreibt. Lieber als zu spionieren, wäre mir aber, die KanzleiinhaberInnen würden mir ihre Geschichten persönlich erzählen: Warum haben sie ihre Steuerkanzlei gegründet? Was sind ihre Lieblingsmandanten und warum? etc.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Ich würde gerne Witze erzählen können. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie jemand mit dem Erzählen von Witzen ganze Gesprächsrunden aufheitern kann. Leider kann ich mir, warum auch immer, Witze nur sehr schlecht merken – und umso weniger erzählen. Das wäre eine Gabe, die ich gerne besitzen würde.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Gut. Hellwach und neugierig.