• 6. Juni 2019

10 Fragen an … StB Marcus Ferchland

10 Fragen an … StB Marcus Ferchland

10 Fragen an … StB Marcus Ferchland 1024 579 Steuerköpfe

Probleme haben für StB Marcus Ferchland einen gewissen Reiz: Steuerberaterprüfung, Mandanten- oder Mitarbeiterwechsel, Monotonie der Bildschirmarbeit. Inzwischen beschäftigt er einen Bot in seiner Kanzlei und er hat sich frohen Mutes vom alten Geschäftsmodell der Steuerberatung verabschiedet.

Zur Person

Marcus Ferchland (*1966) ist gelernter Agrar-Ingenieur und als Quereinsteiger in die Steuerberatung gekommen. 2018 erwachte sein Interesse an der Automation. Die immer gleichen und zeitraubenden Bedienschritte in der Kanzleisoftware hat er inzwischen mittels eins Programms automatisiert.

Zur Kanzlei

2001 hat Marcus Ferchland seine Kanzlei in München gekauft. Inzwischen ist noch eine Niederlassung in Leipzig hinzugekommen. Sechs Köpfe zählt das Kanzleiteam.

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1. Warum sind Sie StB geworden?

Ich wollte wissen, ob ich die Prüfung besteht kann.

Von Haus aus bin ich Agrar-Ingenieur. Ich wollte Entwicklungshelfer werden, habe aber während des Studiums gemerkt, dass die Berufsaussichten eher mau sind. Wirtschaftswissenschaften waren ein Teilgebiet meines Studiums und so bin ich nach dem Abschluss als Seiteneinsteiger in eine Kanzlei gekommen.

Ich habe dann in Kanzleien im heimatlichen Soest, in Zeitz in Sachsen-Anhalt, Westerland, Leipzig und München gearbeitet. Mein Motto war immer: Das Positive aus einem Job mitnehmen, das Negative hinter mir lassen.

2001 habe ich mir eine Kanzlei in München gekauft und heute habe ich noch eine Niederlassung in Leipzig.

2007 wollte ich es noch einmal wissen und zwar, ob ich auch auf hohem Niveau das Steuerrecht beherrsche und habe in Hamburg den Studiengang Master of International Taxation (M.I.Tax) belegt. Hat geklappt.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien –  was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Nichts. Das finde ich irgendwie unseriös. Ich bin kein Verkäufer.

Was unsere Mandanten erleben: Wir holen sie aus schlechten Situationen heraus. Das spricht sich rum.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

In der Freizeit und in Krisen.

Wenn mein Sohn erzählt, dass sie jetzt in der Schule programmieren, dann finde ich das interessant. Ich tausche mich dann mit den Lehrern aus, erkundige mich nach dem Lehrangebot und danach, was noch so kommt. Das finde ich inspirierend.

Von der Robotic Process Automation habe ich zuerst im Internet gelesen. Ich habe dann weiter recherchiert und mich auf das Abenteuer eingelassen.

Krisen können auch sehr inspirierend sein: Wenn mich ein Mitarbeiter oder ein Mandant verlässt, bringt mich das zum Nachdenken. Manchmal kann man scheinbare Niederlagen in ein Geschäftsmodell umwandeln.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Das Interesse an unserem Bot und den organisatorischen Voraussetzungen dafür vernünftig zu kanalisieren.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

(Lacht). Jetzt würde ich nur noch danach auswählen, ob der Kandidat mir die Digitalisierung in drei Minuten so interessant erklären kann, dass ich mich gern weiter unterhalten möchte.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Meinen Stiefel mit der Digitalisierung weiter durchziehen. Konkurrenz aus dem EU-Ausland sehe ich nicht.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Dass wir Umsatz und Mandate reduziert haben. Das Tolle daran: Wir sind nervige Mandate mit ihren ausgeglichenen bis negativen Deckungsbeiträgen los. Andernfalls wäre ich im alten Geschäftsmodell festgehangen und dann vom aufkommenden Geschäftsmodell abserviert worden.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Die Kanzleiorganisation. Verpasse ich etwas? Mache ich etwas verkehrt?

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Mehr Zufriedenheit.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Fit.