• 7. Juli 2019

10 Fragen an … StBin Carina Heckmann

10 Fragen an … StBin Carina Heckmann

10 Fragen an … StBin Carina Heckmann 1024 666 Steuerköpfe

StBin Carina Heckmann ist viel online unterwegs. Im Internet findet sie ihre Mandantinnen und auch die ersten Mitarbeiterinnen für ihre junge Kanzlei. Ihr Fachwissen möchte sie auch über online-Kurse vermarkten.

Zur Person

Carina Heckmann (xing, *1988) ist den Praktikerweg gegangen und seit 2015 Steuerberaterin. Sie ist verheiratet und Mutter eines 1-jährigen Sohnes. Zu hören ist sie in der Kanzleifunk-Folge vom Lexoffice-Event „Think like a Startup“.

Zur Kanzlei

2016 hat Carina Heckmann ihre Kanzlei in Kamen (NRW) eröffnet. Sie konzentriert sich auf online-Unternehmerinnen, die sie vor allem online über Instagram, Pinterest und Facebook akquiriert.

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1. Warum sind Sie StB geworden?

Zufall. Als ich mit 16 einen Ausbildungsplatz suchte, gab es exakt drei Stellenangebote im lokalen Stellenmarkt: bei der Stadt, bei einem Industrieunternehmen und bei einer Kanzlei. Der Berater bot mir erst ein Vorstellungsgespräch, dann ein Praktikum und dann den Ausbildungsvertrag. Es hat mir von Anfang an gefallen. Einerseits genoss ich das ruhige und genaue Arbeiten mit Zahlen – das hatte mir schon immer gefallen – und andererseits gab es durch die Mandanten auch viel Abwechslung im menschlichen Kontakt. Das gefällt mir bis heute. Ich habe dann den Fachwirt gemacht und mir vorgenommen, im Falle des Bestehens auch den Steuerberatertitel anzustreben. Mir war früh klar, dass ich mich selbstständig machen, nicht weisungsgebunden sein, sondern mein eigenes Ding durchziehen möchte.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Vor allem, dass ich mit meinen Mandanten komplett digital und ortsunabhängig zusammenarbeite. Außerdem biete ich nicht alles für jeden, sondern bin klar ausgerichtet: Ich konzentriere mich auf online-Unternehmerinnen – vor allem Trainerinnen, Coaches und kleinere online-Händlerinnen. Ich bin eine Steuerberaterin für Frauen. Von Frau zu Frau fällt die Kommunikation oft leichter. Ich akquiriere online und duze mich mit meinen Interessentinnen.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Vor allem im Internet und den sozialen Medien. Wichtig ist mir, dass ich viel Kontakt zu Menschen aus anderen Branchen habe, das ist für beide Seiten inspirierend. In engen Austausch stehe ich auch mit Rechtsanwältin Sabrina Keese-Haufs (lawlikes.de), wir tauschen uns aus und gehen gemeinsame Projekte an.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Oh, mehrere: Wie ich den Mandantenzulauf bewältigen und gleichzeitig meinem Qualitätsanspruch gerecht bleiben kann. Wie ich Automation nutzen kann, ohne den persönlichen Touch zu verlieren. Und wie ich die elende Verwaltungsarbeit rund um die Mandate verringern kann.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Bislang suche ich vor allem Mitarbeiter, mit denen ich online zusammenarbeiten kann. Virtuelle Assistenten findet man ja per Fingerschnippen. Wenn die aber einer steuerlichen Background mitbringen sollen, wird es schon enger. Zum Glück konnte ich da mein persönliches Netzwerk nutzen. Eine Mandantin hat ein Forum für virtuelle Assistenten. Ein Suchaufruf dort hat mir eine Bilanzbuchhalterin in Elternzeit beschert. Toll! Als nächstes suche ich eine Assistenten für die ganze Verwaltungsarbeit. Ansonsten sollten meine Mitarbeiter meine Sprache sprechen, also kein stocksteifes Fachchinesisch.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Mich nicht groß aufregen. Es gibt unter den bestehenden Bedingungen schon einiges, das mich zurückhält. Besonders das Verbot von affiliate-Geschäft für die Berater. Das ist für mich als online-affine Beraterin schon eine Einschränkung. Angst vor Konkurrenz habe ich weniger. Sollte der Kammerzwang fallen, kommen vielleicht ein paar Leistungs-Behaupter, aber bleiben werden die Leistungsbringer – und das sind nun mal die Berater und Beraterinnen. Wichtiger finde ich, Beziehungen zu Mandanten aufzubauen, die man nicht kappen mag, bloß weil jemand anderes vielleicht 50 Euro billiger ist.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Dass ich mich gleich aufs online-Geschäft konzentriert habe. Und das möchte ich mit online-Kursen zur steuerlichen Beratung auch weiter ausbauen. Oft bedeutet Beratung Zeit gegen Geld, aber das ist eine endliche Gleichung. Mit online-Kursen kann ich das umgehen bzw. mein Beratungsangebot ergänzen.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Speziell interessiert mich die Preispolitik. Wenn es stimmt, dass Frauen sich unter Wert verkaufen, möchte ich wissen, welche Fehler ich vermeiden sollte. Ganz allgemein interessiert mich, wie andere Kollegen und Kolleginnen zu ihren unternehmerischen Entscheidungen kommen.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Mehr Geduld.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Ich fühle mich wohl mit dem, was ich tue, und es motiviert mich jeden Tag neu. Es geht mir gut.