• 8. September 2019

10 Fragen an … StB Jürgen Haubrock

10 Fragen an … StB Jürgen Haubrock

10 Fragen an … StB Jürgen Haubrock 1024 768 Steuerköpfe

Digitalisierung ist eine Frage der inneren Einstellung, sagt StB Jürgen Haubrock. Er hilft als Consultant anderen Kanzleien in den digitalen Sattel.

Zur Person

StB Jürgen Haubrock (*1954, LinkedIn, Rödinghause, NRW) ist frisch im Ruhestand, aber die Digitalisierung lässt ihn nicht los. Er firmiert unter „Digiconsult“ und begleitet Kanzleien in die Digitalisierung.

Zur Kanzlei

Jürgen Haubrock hat als Einzelberater, in 2er- und 3er-Kanzleien gearbeitet. Die längste Zeit seines Berufslebens hat er sich in der achtköpfigen Partnerriege von HPS eingebracht und dort die Digitalisierung vorangetrieben.

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1. Warum sind Sie StB geworden?

Mit Zahlen und Logik kam ich immer schon gut zurecht. Nach einer kaufmännischen Ausbildung habe ich dann Ökonomie studiert. Bei der schlussendlichen Berufswahl war mein späterer Schwiegervater Geburtshelfer. Und er sollte Recht behalten.

Ich habe die Steuerberatung immer schon eher durch die betriebswirtschaftliche, als durch die juristische Brille gesehen. Es geht darum, mit den Mandanten unternehmerische Probleme zu lösen und sie aufs richtige Gleis zu setzen. Da ist gutes Gehör und Einfühlungsvermögen gefragt.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

So viele Steuerberater, die Kanzleien in die Digitalisierung begleiten, gibt es ja nicht. (Lacht). Ich kann gut die Organisation einer Kanzlei verstehen und durchdringen, besonders die von Datev-Kanzleien. Ich kann den Mitarbeitern nicht nur die Richtung aufzeigen, sondern auch im Detail die neue Arbeitsweise zeigen und erklären. Zusätzlich habe ich die StB-Brille auf und optimiere die Eigenorganisation in Hinblick auf die Digitalisierung.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Auf Fortbildungen, aus der Presse, durch die Beobachtung von Mitbewerbern und Softwareherstellern.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Auch wenn die Digitalisierung nie abgeschlossen sein wird, weil sich alles weiterentwickelt, hätte ich gern noch im Berufsleben erlebt, wie unternehmerische Daten nahtlos und medienbruchfrei in die Kanzlei fließen. Vielleicht habe ich den zeitlichen Aufwand für die Digitalisierung unterschätzt und hätte mehr auf Eile drängen sollen.

Als größte Herausforderung für den Berufsstand sehe ich den Wandel, sich künftig verstärkt der Organisationsberatung zuzuwenden. Vor allem die Finanzbuchhaltung, aber auch der Lohn und die Jahresabschlüsse, werden nicht mehr lange der Umsatz- und Gewinnbringer sein können. Gleichzeitig sind wir für die Organisationsberatung nicht ausgebildet und die Umsätze in diesem Bereich sind noch zu gering.

Dieser Wandel – oder auf Mitarbeiterebene auch nur der Wandel hin zu einer digitaleren Arbeitsweise – löst in vielen Köpfen Ängste aus. Diesen müssen wir begegnen. Das ist der Kern der Herausforderung.

Digitalisierung ist übrigens keine Frage des Alters, sondern der inneren Einstellung. Ich habe auch schon ältere Mitarbeiter über die neue digitale Arbeitsweise sagen hören: „Boah, toll, so einfach ist das?“ Und wenn jemand meint, dass Fritz nicht kann, was Fritzchen nicht gelernt hat, dann konnte ich immer auf mein eigenes Alter verweisen.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Fachliche Kriterien, IT-Verständnis, Einfühlungsvermögen und zu guter letzt die Frage, ob dieser Mensch ins bestehende Team passt. Lautet die Antwort Nein, hilft auch die ganze restliche Qualifikation nicht.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Da bin ich inzwischen fein raus. Ich halte den Wegfall aber auch für hypothetisch. Es gibt schon einen Grund für diese Form der Organisation. Meinen ambitionierten Selbstbuchern habe ich auch immer gesagt, dass die Kanzleiberufe aus gutem Grund Ausbildungsberufe sind. Das ist nichts, was man mal eben nebenher lernt.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Sagen wir es anders: Ich habe nie bereut, Partnerschaften eingegangen zu sein. In Kooperation und Partnerschaften mit Berufskollegen liegt unser Heil und Erfolg. Das habe ich früh im Berufsleben erkannt und ich bin froh, immer danach gehandelt zu haben. Als es mich 2011 vorübergehend gesundheitlich aus der Bahn geworfen hat, war die Partnerschaft meine Rettung. Ohne Partner hätte mich das Kopf und Kragen gekostet.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Das widerspricht meinem Sinn für Fairness.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Da fällt mir nichts ein.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Tiefenentspannt. Ich freue mich auf meinen neuen Lebensabschnitt und finde es toll, dass ich ihn gemeinsam mit meiner Frau erleben darf. Und mit meinem Consulting befriedige ich meinen Spaß an Herausforderungen.