• 7. März 2020

10 Fragen an … StB Dr. Mischa Müller

10 Fragen an … StB Dr. Mischa Müller

10 Fragen an … StB Dr. Mischa Müller 1024 683 Steuerköpfe

StB Dr. Mischa Müller (*1969) führt die Familienkanzlei Dr. Müller, Hufschmidt mit seinen Brüdern. Mit dem Thema Lohn wollen sie sich als Partner für Familienunternehmen positionieren. Und dabei denken die Geschwister groß.

StB Dr. Mischa Müller (Foto: privat)

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1. Warum sind Sie StB geworden?

1986 habe ich den Bundeswettbewerb Informatik gewonnen und stand wenig später vor der Entscheidung, Informatik oder die elterliche Kanzlei zu meiner beruflichen Zukunft zu machen. Informatik verhieß damals – und heute ist das sehr anders – ein kleines Licht in einem großen Unternehmen in Deutschland zu sein. Da habe ich lieber BWL studiert und darauf gebaut, dass mir die Fortführung der elterlichen Kanzlei mit meinen Geschwistern mehr Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten in die Hand gibt. So ist es dann auch gekommen – natürlich inklusive der unternehmerischen Höhen und Tiefen. Das Interesse an der Informatik hat mich nie verlassen und heute teile ich mir die Aufgaben mit meinen Brüdern Nicolai und Dominique entsprechend auf. Nicolai kümmert sich um Themen Strategie, Marketing, Personalführung und -entwicklung, ich mich um Steuern und zusammen mit Dominique um die Technik.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Was möchte der Kunde? Welchen Kunden möchten wir? Diese beiden Fragen möchten wir zusammenführen. Unser Angebot und unser Bestreben ist es, beim Thema Lohnbuchhaltung zu den zehn besten Kanzleien Deutschlands zu gehören.

Unser Aufhänger ist das operative Geschäft der Lohnbuchhaltung, aber unser Angebot geht weit darüber hinaus. Lassen Sie mich das erklären:

Unsere Wunschkunden haben so etwa 50 bis 400 Löhne abzuwickeln. Das können Unternehmen dieser Größe auch allein bewerkstelligen. Wir sagen: Lohn in Eigenregie wird dazu führen, dass das operative Lohngeschäft alle weiteren, strategischen Fragen rund um den Lohn verdrängen wird. Wir als Kanzlei können das operative Lohngeschäft effizienter abwickeln und halten den Unternehmen den Rücken frei. Und nicht nur das – auch die strategischen Themen rund um den Lohn gehen wir mit ihnen an.

Mitarbeiter-Themen werden in der nahen Zukunft das beherrschende Thema in der Wirtschaft sein: Mitarbeiter finden, Mitarbeiter führen, entwickeln und halten. Dafür sorgt schon der demographische Wandel. Also muss die Produktivität des Einzelnen steigen, das tut sie auch – dank der Digitalisierung. Damit steigt auch das Schadensszenario von Fehlern. Wenn ich früher einen schlechten Tag hatte und eine EÜR mit Buchhaltung verhauen habe, dann war das der Schaden. Heute leiste ich an einem Tag ein Vielfaches, ein schlechter Tag hat also viel größere Schadenswirkung als früher.

Wenn Sie mit Unternehmern über Chancen und Risiken sprechen, dann sind das die Kernthemen. Wie kann ich die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter erhalten, Chancen nutzen und Schadensszenarien vermeiden? Solche Themen besprechen wir zum Beispiel mit Mandanten in der Führungsakademie, die wir in unserer Unternehmensgruppe haben. Und diese Themen werden auch von unseren Coaches in den Mandantenunternehmen vorangetrieben. Wo finde ich Mitarbeiter? Dazu betreiben wir das Jobportal Jobsuche Niederrhein. Dort stellen wir Arbeitgeber vor und bringen sie mit der Jugend und den Jobsuchern der Region zusammen.

Wir möchten die Anlaufstelle für Arbeitgeber in unserer Region sein. Besonders gern arbeiten wir mit Familienunternehmen zusammen, weil sie einerseits ähnlich entscheidungsfreudig und fähig wie wir sind und andererseits, weil dort oft Wertschätzung und Verantwortungsgefühl für die Mitarbeiter vorherrscht. Solche Eigenschaften zeichnen unsere Mandanten aus.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Ich finde Menschen inspirierend. Als Steuerberater kommen Sie mit den unterschiedlichsten Charakteren zusammen. Und als Steuerberater wird Ihnen ein Grundvertrauen entgegengebracht. Bessere Voraussetzung zum Erlernen neuer Sichtweisen kann es kaum geben: Einzigartige Menschen zeigen Ihnen neue Welten und ungeahnte Möglichkeiten. Je größer die Diversifikation der Menschen in Bezug auf Tätigkeit, Herkunft und Schulbildung ist, desto spannender wird es.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Der Vertrieb. Bislang sind wir mit der üblichen Mandantengewinnung a la Steuerberater gut gefahren: Ein paar Mandanten scheiden aus, Mundpropaganda füllt die Lücken wieder auf. Dieses System ist für uns aber nicht mehr zukunftsfähig. Denn wenn ein Steuerberater vom Zustrom beliebiger Kunden abhängig ist, muss er auch alle Themen umfassend beherrschen. Bei der zunehmenden Komplexität des Steuerrechts können Sie das nicht ewig durchhalten. Wir haben uns auf das Thema Lohn fokussiert und müssen mit dem Vertrieb dafür sorgen, dass Mandanten mit demselben Interesse uns finden. Das bringt uns in Konkurrenz mit internationalen Wettbewerbern und natürlich mit den Anbietern von online-Lösungen und Self-service-tools. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass Unternehmer für das Thema Lohn nur offen sind, wenn es gerade nicht läuft. Dann muss es gelöst werden, dann wechselt man Dienstleister. Wie schaffen wir es, dass die Unternehmer unserer Zielgruppe genau zu diesem Zeitpunkt an uns denken?

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Wir brauchen keine Stürmerstars, sondern eine Fußballmannschaft, die als Team optimal zusammenarbeitet. Wichtig ist uns Begeisterungsfähigkeit. Intern nennen wir unsere Zielgruppe „Überzeugungstäter“.

Wenn wir solch einen Menschen treffen, dann richten wir ihm auch einen Arbeitsplatz ein, selbst wenn wir momentan keine offene Stelle für diesen Menschen haben. Jüngst haben wir in der Unternehmensgruppe eine Reittherapeutin eingestellt, die auch eine pädagogische Ausbildung hat. Sie brachte unsere Wunscheigenschaften mit und heute geht sie als Coach in Mandantenunternehmen und kanzleiintern steht sie auch in Erziehungsfragen bereit. Das hört sich zunächst abgehoben an. Aber überlegen sie mal, wie leistungsfähig ein junges Elternteil mit Erziehungssorgen ist. Das können wir heute in der Kanzlei auffangen. Stichwort Erhalt der Leistungsfähigkeit.

Und da sich solche Charaktereigenschaften auch schon früh zeigen, adressieren wir unsere Wunschkandidaten auch schon recht früh. Für Achtklässler bieten wir ein Kurzpraktikum, das hier in NRW unter dem Namen KAOA angeboten wird. Wir stellen Berater oder auch Abschlusskräfte für die Zeit frei, damit sie sich den jungen Leuten angemessen widmen können und haben ein eigenes Tagesprogramm dafür entworfen.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Das sehe ich mit gemischten Gefühlen. Einerseits freut mich die Freiheit. Sie würde es unserer Unternehmensgruppe erleichtern, noch mehr Service rund um das Thema Lohn anzubieten. Andererseits mache ich mir auch Sorgen um Qualitätsstandards. Heute kann ich eine hinreichende Qualität voraussetzen, egal von welcher Kanzlei ein neuer Kunde zu uns kommt. In Zukunft auch noch? Welche Risiken bringt ein Kunde mit, der nicht fachgerecht beraten wurde?

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Definitiv bin ich stolz auf unser Team, dessen Teil ich sein darf.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Ich würde nicht Kanzleien ausspionieren, sondern mich faszinieren Unternehmen jeglicher Art. Aber ehrlich gesagt ist mir das offene Gespräch lieber. Menschen sind inspirierend – nach Inspiration hatten Sie ja schon gefragt. Da bleibe ich bei. Es gibt nichts Inspirierenderes als Menschen, die aus ihrem Leben erzählen und einem neue Einblicke verschaffen.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Ich würde gerne mehr Sprachen beherrschen.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Positiv, voller Tatendrang und Vorfreude auf die Zukunft.

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