• 12. April 2020

10 Fragen an … StB Sebastian Wieland

10 Fragen an … StB Sebastian Wieland

10 Fragen an … StB Sebastian Wieland 1024 681 Steuerköpfe

Sebastian Wieland hat sich die Berufswelt angeschaut: Maschinenbau, Liebäugeln mit der Industrie, Wirtschaftsprüfung – dann Steuerberatung, denn das Gestalten und Planen gefiel ihm besser als das Prüfen im Nachhinein. Mit seiner Mutter und einem weiteren Partner führt er die Kanzlei Appelt & Wieland in Unterschleißheim bei München. Auch dort gilt jetzt vor allem eines: Krisenhilfe für die Mandanten.

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1. Warum sind Sie StB geworden?

Gute Frage. Zum einem war ich familiär geprägt, da meine Mutter Steuerberaterin ist. Angestrebt hatte ich eine Stelle in der Industrie im Finanzbereich. Nach Jahren in einer größeren WP-Gesellschaft habe ich aber mein Interesse an Steuern entdeckt. Mit Steuern kann man vorab gestalten, das finde ich interessanter, als hinterher zu prüfen.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Ich könnte sagen, dass wir gut digital aufgestellt sind, aber das sind ja auch immer mehr Kanzleien. Was tatsächlich viele Mandanten an uns schätzen, ist dass wir uns intensiv mit ihnen beschäftigen. „Solch eine gründliche Betreuung hätte ich nie im Leben von einem Steuerberater erwartet“, sagte letztens ein neuer Mandant zu mir. Und ein anderer: „Ich bin so glücklich, dass ich in diesen schwierigen Zeiten bei Ihnen bin.“

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Aus anderen Bereichen. Von Mandanten oder Bekannten. Man hört, wie es anderswo läuft und überlegt sich, ob sich das nicht irgendwie übertragen lässt. Teil meines Studiums war der Maschinenbau. Im Technologiemanagement gibt es ein Konzept namens „Lead User Konzept“. Wir haben damals im Studium Prinzipien aus dem Flugzeugbau übertragen, um energie-effizientere Backöfen mit zu gestalten. Nach ähnlichem Prinzip versuche ich mir Inspirationen aus anderen Dienstleistungsbereichen zu holen.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Die Digitalisierung. Das klingt vielleicht abgedroschen, aber der Übergang vom Papier auf digital beschäftigt uns sicher noch länger. Wir möchten die erfahreneren Mitarbeiter dafür gewinnen und die jüngeren nicht mit 1000 neuen Tools überfordern. Das richtige Maß und Tempo zu finden, bleibt eine große Herausforderung.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Wir haben in den vergangenen zehn Jahren wenige Fachkräfte eingestellt. In Vorstellungsgesprächen mussten wir dabei auch feststellen, wie schwierig es ist, die gewohnte Arbeitsweise mit der Arbeitsweise in unserer Kanzlei überein zu bringen. Allerdings bilden wir viel und regelmäßig aus. Derzeit haben wir drei Azubis. Eine weitere Auszubildende hat uns letztes Jahr Richtung Studium verlassen, aber in den Semesterferien jobbt sie hier. Die Treue der ehemaligen Azubis ist also hoch. Das spricht sicherlich für unsere Kanzlei.

Aber um die Frage zu beantworten: Das Wichtigste ist für uns – Leitung wie Angestellte –, dass die Neuen gut ins Team passen.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Der Markt wäre dann sicherlich stärker umkämpft. Aber solange nicht die großen Internet- und Technologiekonzerne in den heimischen Steuerberatungsmarkt drängen, mache ich mir wenig Sorgen. Ansonsten würde es unsere Dienstleistung nicht groß verändern. Wir machen weiter die Arbeit, die wir jetzt auch machen. Und was man im Alltag auch beobachten kann: Die Arbeitsqualität hängt nicht immer an der Berufsbezeichnung.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Ich bin stolz, wie sich unser Team entwickelt hat. Zunächst war unser Umsatz gewachsen und unser Team war plötzlich zu klein. Dann konnten wir in den vergangenen fünf Jahren auch personell aufstocken. Und das ist uns gut gelungen. Das Team ist produktiv und harmonisch. In wie weit das meine Leistung ist, lasse ich – in Anbetracht meiner ja noch nicht allzu langen Zugehörigkeit – mal offen.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Spionieren hört sich so negativ an. Ich habe den offenen Austausch lieber. Und selbstverständlich bin ich immer daran interessiert, wie andere Kanzleien ihre Abläufe und Prozesse organisieren. Wir haben solch einen Austausch mit Examenskollegen unseres meines Geschäftspartners. Ein bis zwei mal im Jahr treffen wir uns und lernen voneinander. Das ist immer sehr spannend.

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Ich würde gern öfter Nein sagen können, als es mir meine Grundkonfiguration erlaubt.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Etwas müde, aber positiv gestimmt. An den saisonalen Trubel im Januar und Februar hat sich nahtlos diese vermaledeite Corona-Pandemie angeschlossen. Ich hatte gehofft, im Frühjahr die Drehzahl etwas runterfahren zu können und auch wieder strategische und organisatorische Themen anzugehen. Aber jetzt ist erstmal Krisenbewältigung gefragt.