• 21. Juni 2020

10 Fragen an … StBin Sonja Haberkorn

10 Fragen an … StBin Sonja Haberkorn

10 Fragen an … StBin Sonja Haberkorn 1024 749 Steuerköpfe
StBin Sonja Haberkorn

Sonja Haberkorn führt eine Einzelkanzlei in den kleinen Örtchen Lauda-Königshofen nahe Würzburg und arbeitet seit Jahren fast vollständig digital. Sie lässt die Mandanten zum Beispiel digital unterschreiben wie die großen Unternehmen.

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1. Warum sind Sie StB geworden?

Aus Verzweiflung. (Lacht). Ich habe mich nie für Steuern interessiert. In allgemeinbildenden Gymnasien hat man keine Berührungspunkte mit Steuern. Mein ursprünglicher Traumberuf (Lehrer) war mir in dieser Zeit zu riskant und deshalb habe ich kurzfristig einen Ausbildungsplatz gesucht und in einer tollen Kanzlei gefunden. Dort habe dort meine Liebe zum Steuerrecht entdeckt. Danach habe ich noch ein BA-Studium drangehängt, in verschiedenen Kanzleien gearbeitet und mich nach dem bestandenen Steuerberaterexamen 2012 und Berufspraxis selbstständig gemacht.

2. Ihre fachliche Dienstleistung bieten auch zig andere Kanzleien – was stellen Sie heraus, wenn Sie potentiellen Mandanten Ihre Kanzlei empfehlen möchten?

Ich zeige meinen Mandanten, dass vernünftige Steuergestaltung mehr bringt, als ein Abtauchen in irgendwelche Graubereiche. Als Einzelkämpferin bin ich eine direkte Ansprechpartnerin für meine Mandanten. Die Zeit für die Beratung verschafft mir meine Backoffice-Kraft und eine sehr digitale Arbeitsweise.

Erklärungen mitsamt Freigabe durch den Mandanten läuft bei mir zum Beispiel komplett online. Die Datev bietet dazu zwar auch Werkzeuge an, aber meine Lösung ist besser individualisierbar. So enthält meine individuelle Freizeichnungserklärung auch Hinweise zur Aufbewahrungsfrist, Erhalt der Rechnung und Weiteres. Per Knopfdruck erhält der Mandant Gewerbe, Einkommen- und Umsatzsteuerklärung gebündelt per Link – diese Batch-Programmierung stammt von den Kollegen StB Lutz Phillipp Spieker. Dazu bekommt der Mandant auf separatem Weg das Passwort. Der Mandant unterschreibt auf seinem eigenen Handy oder Tablet – wie beim Paketboten an der Tür. Die Technologie dazu stammt von Signotec. Bei persönlichen Besprechungen erfolgt die Freigabe per Convertible direkt in der Kanzlei.

3. Wo holen Sie sich Inspiration für Ihre Arbeit?

Durch Zuhören – in Mandantengesprächen, Bekannten oder im Alltag. Man erkennt, wo Probleme sind und Lösungen liegen oft auf der Hand. So z.B. während der Corona-Krise waren einige Hotelapartments von Mandanten ungenutzt, die dann von großen Unternehmen als „Home-Office-Ersatz“ angemietet wurden. Oft kommt dann die Idee bei Spaziergängen mit meinem Hund.

4. Welche geschäftliche Herausforderung beschäftigt Sie derzeit am meisten?

Bei den steuerlichen Änderungen dran zu bleiben und aktuell darauf abgestimmt beraten zu können. Die Änderungen im Steuerrecht waren immer schon aufwändig, aber inzwischen kommen die ja beinahe stündlich.

5. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?

Ich suche derzeit nicht aktiv nach steuerfachlichen Kräfte. Allerdings habe ich eine sehr gute Backoffice-Kraft, die mir den Rücken freihält. Zusätzlich ist es als kleine Kanzlei im ländlichen Raum schwierig, die richtigen Fachkräfte zu finden. Zu uns passen Kollegen, die innovativ sind und Spaß an der Arbeit haben. Die Arbeit sollte nicht nur eine lästige Unterbrechung der Freizeit sein. Wir erwarten ein gemeinsames Erarbeiten beim Vorankommen der Kanzlei. Im Gegenzug bieten wir nicht nur die obligatorische Getränke-Flatrate, sondern auch Zusatzurlaub, wenn vor Jahresende 80% der Erklärungen fertiggestellt, auch eine branchenunüblich hohe Sonderprämie bei Überschreiten der Umsatzziele. Für den Wellnessfaktor ist natürlich auch gesorgt.

6. Mal angenommen, der Kammerzwang fällt, jeder darf Steuerberatung anbieten und Steuerberater auch gewerbliche Leistungen: Was tun Sie?

Ich würde meine Positionierung weiter ausbauen und meinen StB-Titel stolz als Qualitätsmerkmal hervorheben.

7. Auf welche geschäftliche Entscheidung/Erfolg sind Sie stolz?

Auf meine Entscheidung, auf grüner Wiese mit Null Mandanten zu gründen und heute – selbst in Corona-Zeiten – eine erfolgreiche Kanzlei zu führen.

Als Kunde der Addison-Software habe ich im Januar 2017 eine „Selbsthilfegruppe“ für Addison/10it Anwender gegründet, die mittlerweile mehr als 600 Mitglieder hat. Darin werden Anwenderfragen von Anwendern und auch von mittlerweile beigetretenen Addison-Mitarbeitern beantwortet.

8. Sie können – unbemerkt und ungestraft – hinter die Kulissen einer anderen Kanzlei schauen: Was würden Sie ausspionieren?

Mich interessiert der ganze Workflow. Wie organisieren die Kollegen den ganzen Kreislauf von Auftragseingang, Bearbeitung und Beratung?

9. Welche natürliche Gabe würden Sie gern besitzen?

Geht auch eine übernatürliche Gabe? Ich würde gern in die Zukunft schauen können, um zu erfahren, wie die Steuerberatung 2030 optimalerweise aussieht.

10. Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Das ist eine Fangfrage, oder? (Lacht). Das Jonglieren mit den täglichen Aufgaben, Mandaten und der unkonkreten Gesetzgebung während der Corona-Pandemie ist anstrengend. Dennoch haben wir in der Krise unsere digitale Ausrichtung weiter vorangebracht und gehen davon aus, dass wir ab Herbst weniger als 5 Prozent der Mandantenunterlagen in Papierform bekommen.